Von der Kunst selbstgemachter Kuchen und Torten

Brasilianisch – Italienisch – „Französisch“

 

Von der Kunst selbstgemachter Kuchen und Torten

3 außergewöhnliche Cafés in Berlin

 

Versäumen möchte ich diesmal nicht, meinen LeserInnen das italienische Tagescafé la Caffètteria in der Brunnenstraße zu empfehlen. Die Brunnenstraße gehört zu den kleinen Wundern in Berlin. Um 2004 war sie noch gänzlich unerschlossen. Kneipen fristeten ein trostloses Nachwendedasein und die Tristess einer Durchgangstraße versprach nichts Gutes, schon gar keinen ökonomischen Erfolg mit einem Café. Es mussten also sehr unterschiedliche Dinge zusammenkommen, um gerade hier ein italienisches Tagescafé zu eröffnen.

 

Mit dem italienischen Konditor Angelo Lovreglio kamen sie. Angelo steht meist schon morgens um 3:00 Uhr in seinem Café, um den Ofen anzuheizen und seine original, italienischen Tortas und Brötchen zu backen. Ab 8:00 Uhr steht er bis 18:00 Uhr hinter dem Tresen. Sein Arbeitstag hat 14 bis 15 Stunden. Das ist normal in der ambitionierten Gastronomie Berlins. 8-Stunden-Tag ist nicht. Von meinem Großvater, der Bäcker war, kenne ich ähnliche Geschichten. Zu seinen besten Zeiten besuchte Hans mit Erika, meiner Großmutter, Bälle und ging morgens um 3 gleich in die Backstube.

 

Heute muss ein Konditor wie Angelo nicht nur backen können, er muss für die Anwohner ein feines Gespür haben und er muss kommunizieren können. Angelo kann all das, weshalb es auch eine Spiel- und Leseecke für Kleinkinder in der kleinen Caffèteria gibt. Hier treffen sich dann die Mitte-Mütter aus der Umgebung.

 

Mein italienischer Freund R. bestellt mittlerweile schon einmal eine ganze Torta bei Angelo, weil es kaum bessere italienische Torten in Berlin gibt. R. und seine Frau H. suchen eine neue Wohnung, weil die alte in der Brunnenstraße mit der nun knapp 12 Monate alten Tochter M. zu klein wird. Aber bloß nicht allzu weit von Angelo entfernt sollte die neue Wohnung liegen. Das nennt man in Berlin Erfolg.

 

Katia und Eric kenne ich schon länger. Ich komme viel zu selten dazu, ihren Salon Sucré im Kreuzberger Wrangelkiez in der Görlitzer Str. 32A am Görlitzer Park zu besuchen. Barcellos Salon Sucré ist ein brasilianisches Konzept. In Brasilien heißt die Kombination aus Friseur und Patisserie Salon Sucré. Katia schneidet kunstvoll Haare. Eric macht die besten Croissants, Brioches, Biscuit Chocolat Canaches, Quiches Lorraine et cetera, et cetera, et cetera in Berlin.

 

Gegen die Auslieferung seiner französischen Backkunststücke ins Adlon soll er sich gewehrt haben. Eric liefert nicht, er darf mit seiner weißen Elsässer Konditorenmütze auf die charmanteste Weise Hof halten. Die Patisserie floriert, nachdem auch Eric anfangs seine 14 Stundentage investieren musste.

 

Erics Patisserie artisanale hätte schon den einen oder anderen Stern verdient. Doch der Salon Sucré existiert von seiner bescheidenen Größe und dem persönlichen Kontakt mit den Gästen. Es ist nicht einfach ein Geschäft, sondern eine Existenzform, die sich Katia und Eric am Görlitzer Park aufgebaut haben. Ob ich mit japanischen Freunden oder anderen dort war, jedes Mal war die Qualität hervorragend.   

Das bistrot in der Linienstraße 136 ist eine sehr eigenwillige und frische Mischung aus Café und Bar. Von der Tagessuppe bis zum Kuchen wird hier wert auf Homemade gelegt. Der Diskofuchs aus den Siebzigern als Logo wird kombiniert mit dem Clubsessel aus den Fünfzigern und der 60er-Jahre-Andenkenvase mit einer weißen Annemone auf dem Sofatisch. Gerade das Unpassende wie das Spitzweg-Bild über dem Sofa wird hier zum Stil. Jung und unangepasst ist die Botschaft.

 

Tatsächlich ist das bistrot anders als die Lokale auf der Oranienburger Straße nur wenige Schritte um die Ecke. Sobald die Temperaturen es wieder zulassen, sitzt hier die Nachbarschaft aus dem Village. Wenn man auf dieser Ecke wohnt, kann das bistrot schnell zum Treffpunkt werden. Ob es deswegen schon ein Hotspot ist, wage ich nicht zu sagen. Ohnehin sind die meisten so bezeichneten Lokalität eher schon kein Hotspot mehr, wenn sie im Reiseführer stehen.

 

Jedenfalls bietet das bistrot aus seiner Mischung von Regionalität und Weltläufigkeit, Flohmarkt und Design, Ökotopia-Biotee und dem Café au lait aus dem professionellen Kaffeeautomaten eine für die Linienstraße usw. recht typische Mischung. Insofern darf man das bistrot in seinen Abweichungen authentisch nennen. Jedenfalls trinke ich hier meinen Tee oder Kaffee lieber als in dem Balsac-Kettencafé schräg gegenüber auf der Friedrichstraße. Und den Homemade cake ziehe ich allemal dem Brownie aus der Cellophantüte vor.

 

Torsten Flüh      

 

Bistrot

Bar/Café

Linienstraße 136

10115 Berlin

Tel.: 53 14 44 34

Mo.-Sa. 11 bis spät in der Nacht

 

U 6 Oranienburger Tor

 

 

la Caffètteria

Italienisches Tagescafé

Brunnenstraße 153

10115 Berlin

Tel.: 48 49 60 06

Mo. – Sa. von 8 bis 18 Uhr

 

U 8 Bernauer Straße

 

Barcellos

Salon Sucré

Görlitzer Straße 32A

Kreuzberg Berlin

Tel.: 6 12 27 13

 

Friseur                             Patisserie

Mittwoch – Samstag          Donnerstag - Sonntag

10 bis 18 Uhr                    10 bis 18 Uhr

 

U 1 Görlitzer Bahnhof oder Schlesisches Tor