Da hilft nur Bali Sun - Überleben während der Berlinale und das Curcuma

Berlinale 2012 – Verpflegung – Programmplanung

 

Da hilft nur Bali Sun

Überleben während der Berlinale und das Curcuma

 

Heute gibt es noch nicht den Teddy Award, weil der erst um 23:25 Uhr auf ARTE gesendet wird. Wer weiß, mit den Künsten des Schnittes schneiden sie vielleicht sogar noch die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat raus und scannen den Regierenden rein. Bei einer Aufzeichnung kann man das nie wissen. Frau Kolat vertrat den Regierenden, war dann aber ganz überrascht, dass sie eine Grußadresse beitragen sollte. Sie wusste auch gar nicht, wo der Regierende war. Ich schon.

Das Überleben während und in der Berlinale ist halt kein Kinderspiel. Heute hätte ich noch irgendwo irgendeinen Film sehen können. Aber nach der Teddy Award Gala in der Abfertigungshalle des Flughafens Tempelhof, immer wieder spektakulär, war ich heute so erschöpft, dass ich meinen Kopf lieber laufend an die Luft geführt habe. Trotzdem gibt es erfreuliches zum Überleben während der Berlinale mitzuteilen. Beispielsweise hat am 16. Februar gleich neben dem Kino International in der ehemaligen Mokka-Milch-Eisbar das Curcuma eröffnet.

Die Verpflegung im und am Kino International war in den letzten Jahren ein Problem. In der „Mokka-Milch-Eisbar“, die in der selben Zeit wie die Naherholung Sternchen und das Premierenkino errichtet wurde, also Anfang der 60er Jahre, war es bisher ein wenig zu kneipig. Nicht wirklich interessant. Jetzt hat dort ein einfallsreiches, vietnamesisches Fusion-Kitchen Restaurant eröffnet. Das Curcuma.

 

Die Mokka-Milch-Eisbar ist ein DDR-Mythos. Einmal sprach ich mit einer Frau in einem Geschäft auf der Karl-Marx-Allee darüber, dass ich neben dem Kino ein Eis gegessen hätte. Sie geriet ins Schwärmen. „Sie meinen die Mokka-Milch-Eisbar.“ Keine Ahnung wie der Laden heißt. „Naja, das ist heute ja auch nicht mehr die Mokka-Milch-Eisbar. Aber als ich jung war, da sind wir da immer hingegangen. Und es gab diesen Schlager:

In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n,
in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.
…“

Nun ist die Mokka-Milch-Eisbar das Curcuma. Und das ist gut so. Am Donnerstag hatte ich schon leicht die Datumsorientierung verloren. Draußen stand zwar dran, dass die Neueröffnung am 16. stattgefunden haben sollte, aber ich hätte noch einmal auf meine Karte für Bugis Street Redux schauen müssen, um sicher zu sein, dass wirklich der 16. war. Eigentlich wollte ich nur einen Salat essen und bestellte einen Wakame-Salat. Der war dann so gut und originell angemacht, dass ich das Curcuma Special mit Rindfleisch probieren wollte.

 

Angefangen hatte alles mit dem Bali Sun Tee anstatt mit Mokka-Milch. Der Tee sei eine eigene Hausmischung verriet mir die junge Servicekraft. Der Tee war wirklich eine Überraschung: Zitronengras, Ingwer, Minze, sehr fruchtig und aufmunternd. Weil ich nun ohnehin etwas länger bis zum Vorstellungsbeginn bleiben wollte, bestellte ich also noch etwas.

Das Curcuma Special mit Rindfleisch hielt, was der Salat versprochen hatte. Die Karte ist überschaubar. Frische und Aroma stehen eindeutig im Vordergrund. Die gebratenen Glasnudeln mit geschnetzeltem Rindfleisch und reichlich frischem Gemüse sind sehr erfreulich. Die Hauptgerichte sind mit um die 7,90 € recht günstig, aber trotzdem frisch, reichlich und ansprechend zubereitet. Es ist vielleicht nicht ganz so einfallsreich wie das Tocca Rouge in der Torstraße, das weiterhin ausgezeichnet ist, braucht aber den Vergleich nicht zu scheuen.

Die Sandwichbar unten im Cinestar-Komplex ist wahrscheinlich nicht immer so gut besucht, wie während der Berlinale. Doch zumindest dann gibt es prima Sandwiches und eine äußerst aufmerksame Bedienung. Aber während der Berlinale kommt man ja ohnehin nur dorthin, wo gerade der nächste Film läuft. Da ist es also nicht immer einfach, die passende Verpflegung für die Programmplanung zu finden. Doch ein paar erprobte Koordinaten kann ich verraten.

Wenn man zwischen den Vorstellungen in den Kinos rund um den Potsdamer Platz ein paar Minuten mehr Zeit hat, dann lohnt es sich immer, in die Cafeteria bzw. das Café Estrada der Gemäldegalerie im Kulturforum zu gehen. Plötzlich ist man in einer komplett anderen Welt, während sich schräg gegenüber malles um den Berlinale-Kosmos dreht. Hier finden so gut wie keine Filmleute hin. Und das kann manchmal recht erholsam sein. Sonst könnte man in die Lage kommen, die Filmwelt für die einzige aller möglichen zu halten. Im Café Estrada gibt es übrigens immer eine tolle Salattheke. Und das Glas Wasser zum Kaffee gibt es umsonst.

Die Prinzessinnengärten im Arsenal, wo das Forum extended stattfand, habe ich leider nicht getetest. Aber im Arsenal gibt es zumindest zur Berlinale immer eine nette Idee. Als Anlaufstelle für Gespräche vor oder nach dem Besuch einer Vorführung im Haus der Berliner Festspiele empfiehlt sich immer der Wintergarten im Literaturhaus. Und dort ist dann der Apfelkuchen mit Streusel zwar einfach, aber das Beste, wie der Caféhaus-Kellner am Donnerstag zu Recht behauptete.

Außer Sonntags empfiehlt sich bei Vorstellungen im Friedrichstadt-Palast das ishin in der Mittelstraße. Es ist sehr japanisch. Häufig muss man zur Mittagszeit zwischen 12:30 und 14:00 Uhr Schlange stehen, weil kein oder nur noch Einzelplätze frei sind. Kommt man nicht gerade zu Spitzenzeiten, findet man in dem großen, schlichten Raum immer einen Platz. Heißer japanischer Grüner Tee wird sehr schnell serviert. Er ist umsonst, wenn man ein Gericht bestellt. Und man kann sogar heißes Wasser nachfüllen. Natürlich bestellt man Sushi oder Don oder Nudelsuppen, was alles recht schnell serviert wird. Das ist alles sehr zu empfehlen und recht günstig.   

Mit Curcuma, Sandwichbar, Gemäldegaleria-Cafeteria, ishin und Wintergarten wird sich sicher die nächste Berlinale noch besser überleben lassen. Beim Verlassen der Roten Teppiche muss man immer aufpassen, dass man nicht ins Stolpern gerät. Mein Hamburger Freund M. war schon ganz erfreut, dass man nun gleich neben dem Kino International ein empfehlenswertes Restaurant findet.

 

Torsten Flüh

 

Curcuma

Restaurant-Bar

Karl-Marx-Allee 35

10178 Berlin

 

Wintergarten

Café im Literaturhaus

Fasanenstraße 23

10719 Berlin

 

Café Estrada

Gemäldegalerie

Kulturforum Potsdamer Platz

Matthäikirchplatz

10785 Berlin

 

Ishin

Mittelstraße 24

10117 Berlin