Ein Gespenst wird gefeiert - Hostages und Le jeune Karl Marx auf der Berlinale 2017

Kommunismus – Sprache – Kapitalismus 

 

Ein Gespenst wird gefeiert 

Hostages und Le jeune Karl Marx auf der Berlinale 2017 

 

Fast kam es zu Standing Ovations am Sonntagabend nach der Premiere von Raoul Pecks Kunstfilm/Drama Le jeune Karl Marx mit dem Ausnahmeschauspieler August Diehl in der Hauptrolle. Das Publikum applaudierte begeistert. Alles Marxisten? Zumindest an die 1895 Kino-Marxisten hatten sich nicht nur von Karl Marx und Friedrich Engels, sondern auch von Jenny Marx, geborene von Westphalen, und der irischen Bauwollspinnerin Mary Burns bei der Entstehung und Abfassung des Manifests der Kommunistischen Partei (1848) mitreißen lassen. Am Schluss schreiben die vier jungen Leute handschriftlich wie im Rausch fast gemeinsam einen der folgenreichsten Texte der Weltliteratur. Das ist insofern eine ziemlich unverfrorene Wendung, weil sie die orthodoxen Marxisten wurmen wird.

“A spectre is haunting Europe – the spectre of communism.” Karl Marx (August Diehl) verbessert den Anfang des Manifests in Englisch. Das Gespenstspectre – ist seine Idee, vielleicht ein Einfall nur aus dem Moment. Und doch materialisiert sich für den Materialisten Marx womöglich in der Doppeldeutigkeit von spectre als Geist und Gespenst insbesondere der Geist des Kommunismus. Raoul Peck und sein Drehbuchautor Pascal Bon sind gewieft genug, um genau mit derartigen sprachlichen Operationen zu arbeiten. Bonitzer hatte das Drehbuch in Französisch geschrieben, wo spectre auch funktioniert. Erwartet und kolportiert als Kostümfilm zeigt sich Le jeune Karl Marx als geistvolles Ideendrama.

Wenn der Spielfilm Hostages von Rezo Gigineishvili, der am frühen Freitagabend im Panorama der Berlinale im Sony Center seine Weltpremiere feierte, auch nur annährend mit so viel Liebe zum durchaus historischen Detail durchgearbeitet worden wäre, hätte eine Geschichte vom Anfang und Ende des Kommunismus daraus werden können. Leider enttäuschte der georgisch-russische Regisseur mit seinem Perestroika-Drama aus dem Jahr 1983 auf ganzer Linie. Am 18. November 1983 wurde der Aeroflot Flug 6833 von der sowjetisch-georgischen Hauptstadt Tiflis nach Leningrad von sieben jungen Georgiern auf der Strecke zum Zwischenstopp nach Batumi am Schwarzen Meer entführt.


Still

Gigineishvilis Verfilmung der spektakulären und hochpolitischen Flugzeugentführung fehlt es an einer Haltung. Die Rolle des Parteichefs der Kommunistischen Partei Georgiens und 1983 de facto Staatschefs von Georgien Eduard Schewardnadze wird geradezu verschleiert. Die sieben jungen Menschen, die zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tode verurteilt wurden, werden in einem betont folkloristischen Umfeld inszeniert, was in einigen Sequenzen zwar charmant, aber auch verharmlosend wirkt. Letztlich läuft die Einstellung des Regisseurs und seiner Drehbuchmitautorin Lasha Bughadze sowie seiner jungen Schauspieler und Schauspielerinnen darauf hinaus, dass die jungen Leute von der Tifliser Kunstakademie einer orientierungslosen, gelangweilten, pseudoreligiösen und vor allem verwöhnten Clique der sowjetischen Nomenklatura angehörten.


Screenshot (T.F.)

Am Schluss des Films gibt es zwar eine Sequenz, in der die mangelnde gesellschaftspolitische Aufarbeitung der Todesurteile damit inszeniert wird, dass auf einem ländlichen Acker Leichen exhumiert werden, doch Schewardnadzes Urteil über die jungen „Banditen“ und „Drogenabhängigen“ wird nicht hinterfragt.[1] Es bleibt durchaus unklar, ob mit dieser Einstellung 1) die Flugzeugentführer von 1983 mit aktuellen Terroristen kontextualisiert werden sollen, 2) eine Revision der Perestroika-Phase intendiert ist, 3) eine kritische Perspektive auf Eduard Schewardnadze eröffnet werden soll. Insbesondere die Rollengestaltung der Anna (Tina Dalakishvili) und des Nika (Irakli Kvirikadze) reicht weit in eine aktuelle Jugendkultur hinein, als gäbe es keinen Unterschied zwischen den Jugendlichen der Sowjetunion und ihrer Nomenklatura sowie jungen Menschen heute in Georgien.   


Screenshot (T.F.) 

Die eigentliche Flugzeugentführung gerät auf dem Flug nach Balumi im Film außer Kontrolle. Die Tupolew Tu-134 landet wieder in Tiflis, die Entführer stellen verzweifelte Forderungen, die nicht geplant oder durchdacht sind, schließlich lässt Schewardnadze die Maschine durch eine KGB-Sondereinheit aus Moskau stürmen. Bei der Erstürmung kommen Passagiere und 2 Entführer um.


Still 

Die Inszenierung dieser Ereignisse formuliert keinerlei Fragestellung oder nimmt eine Haltung ein. Die Pyrotechnik, Schnitte und bewegte Kamera sind effektvoll bis unterhaltsam, was angesichts des Themas und der Aufgabe einer historischen Aufarbeitung eine fast schon zynische Note bekommt. Gigineishvili, der als Vertreter des Autorenkinos gilt, war nicht zu seiner Weltpremiere angereist, die Pressekonferenz fand offenbar erst später statt, so dass auch in dieser Hinsicht offenbleibt, ob der Film eine Haltung einnehmen möchte. Wenn überhaupt, dann wird nicht das Ende des Kommunismus thematisiert oder betrauert, sondern der Untergang des Sowjetsystems als Größe Russlands wird bedauert.

Raoul Pecks Film Der junge Karl Marx verdankt sich dem Wunsch nach einer Kapitalismuskritik. Damit nimmt der englisch-französisch-deutschsprachige Regisseur aus Haiti, der an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studierte, eine klare Haltung ein. Gleichwohl wäre sein Film über den jungen Marx vor der Finanzkrise 2008 kaum zu finanzieren gewesen. Sein Film hätte schlechthin keine Produzenten gefunden.[2] Warum sollte man einen Film über den jungen Marx und die Entstehung des Manifests der Kommunistischen Partei drehen, wenn der Kommunismus doch seit 1989 erledigt erschien? August Diehl und Raoul Peck haben offenbar frühzeitig an dem Projekt zusammengearbeitet. Dabei spielten insbesondere die frühen Briefe zwischen Karl Marx, Jenny von Westphalen (Vicky Krieps) und Friedrich Engels (Stefan Konarske) sowie ihre Bekanntschaft im Pariser Exil eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Plots.[3]

 

Was ändert sich, wenn man die frühen Briefe zwischen Karl und Jenny sowie Friedrich liest? Von den Zeitungsartikeln und Aufsätzen bis zum Manifest verschiebt sich insbesondere die Sprachebene, auf der man über den Kapitalismus und den Kommunismus schreibt bzw. spricht. Das bringt die Kritikfrage nicht nur stärker an die Menschen als Briefschreiber heran, sondern rückt vor allem die Kommunikationsweisen in die Aufmerksamkeit. Jenny, Marx, Friedrich und Mary (Hannah Steele) beginnen durch die Brieflektüre auf einmal miteinander zu sprechen. Die Frauen werden als Akteurinnen für die Revolution und den Schreibprozess sehr wichtig. Eine These könnte beispielsweise lauten, dass das kommunistische Manifest in seiner sprachlichen Eigenheit durch die Briefkorrespondenz entwickelt worden ist. Anders gesagt: Statt trockner Doktrin wird im Film viel gelacht.

 

Die Briefe von Karl Marx und Jenny von Westphalen sowie Friedrich Engels sind wiederholten Selbstzensur- und Zensurprozessen zu Lebzeiten der Briefschreiber und postum unterzogen worden, was bei der jüngsten Herausgabe der Briefe Jenny Marx‘ von Angelika Limmroth und Rolf Hecker neuerlich betont worden ist. Nach dem Tod von Karl Marx ist nicht zuletzt durch Friedrich Engels „eine Menge von Briefen verbrannt“ worden.[4] Doch Limmroth und Hecker ordnen die Briefe auch einer spezifischen „Briefkultur“ im 19. Jahrhundert zu.[5] Wie funktionierte die Praxis des Briefeschreibens? Und welche Effekte hatte sie, die es überhaupt notwendig erscheinen ließen, im Nachhinein Briefe zu vernichten, zu verbrennen? Limmroth und Hecker gehen dieser Frage nicht genauer nach, außer dass sie auf das Verhältnis von „Privatbesitz“ und „Öffentlichkeit“ hinweisen. Womöglich hatten sie die Briefschreiber_innen beim Schreiben zu Formulierungen hinreißen lassen, die korrigiert werden mussten.   

 

Eine Reihe von Briefen von Jenny Marx wurde bereits in den 1970er bis 80er Jahren in der Ausgabe der Marx-Engels-Werke (MEW) als Studienausgabe am Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED in Ost-Berlin veröffentlicht. Diese wurden als „Ergänzungsbände“ ab Band 40 zu den vorausgegangen „Schriften“, dem „Kapital“ und „Theorien über den Mehrwert“ angeordnet.[6] Die frühen Briefe von Jenny, die dem Hauptwerk chronologisch vorausgegangen sind, wurden ideologisch als Ergänzungen eingeordnet. In dieser Editionsweise verschwinden nicht nur Jennys Briefe, sondern auch ihr möglicher Anteil am Werk. Insofern wird mit Raoul Pecks Film vor allem die Ideologie zugunsten eines Schreib- und Erzählprozesses sowie zugunsten von Jenny Marx aufgebrochen.


© Kris Dewitte 

Einer der ersten, erhaltenen Briefe von Jenny Marx vom 10. August 1841 aus Trier an Karl Marx in Bonn gibt nicht nur einen Einblick in die Schreibpraxis mit der „Feder“ „auf Federn und Kissen … von meinem Bettchen aus“, sondern wird auch mit Koseformen im Deminutiv und Kommunikationsweisen insbesondere am Schluss literarisch ausgeschmückt. 

Karlchen, gern sagt ich Dir noch viel, noch alles - aber die Mutter 2*) leidet's nicht länger -, sie nimmt mir sonst die Feder, und ich kann Dir nicht einmal mehr den heißesten Liebesgruß zurufen. Auf jeden Finger einen Kuß, und nun hinaus in die Weite. Fliegt, fliegt zu meinem Karl und preßt euch so heiß auf seine Lippen, als sie ihnen  warm und  innig entströmt  sind; und dann hört auf, stumme Boten der Liebe zu sein und flüstert ihm zu all' die kleinen  süßen heimlichen Lieblichkeiten, die Liebe euch eingibt - erzählt ihm alles aber nein, laßt noch was  ü b r i g  für eure Herrin. 

 

Leb wohl, teurer Einzig. 

Ich kann nicht mehr, sonst wird's mir ganz wirr im Kopf [...] 1*) weißt Du noch und quadrupedante putrem sonitu 2*) etc.  etc. – 

Adieu, liebes Männchen von der Eisenbahn.  Adieu, Du deuerlich Männchen.  -  

Gelt, ich kann Dich doch heiraten? 

Ade. Ade, mein Liebchen. 

----- 

1*) Hier folgen 3 fehlerhaft geschriebene lateinische Worte, die keinen Sinn ergeben - 
2*) vierfüßiger Hufschall Getöse (Vergil, Aeneis VIII, 596)[7]


© Fréderic Batier 

An der Grenze zum Sinn wird in der MEW eine Formulierung von Jenny für Karl einfach ausgelassen. Was immer auch „Autos aperte pedan“, wie Limmroth und Hecker die Stelle wiedergeben[8], für Jenny und Karl heißen mag, im „Ergänzungsband“ werden die „3 fehlerhaft geschriebene(n) lateinische(n) Worte, die keinen Sinn ergeben“ einfach getilgt. Doch möglicher Weise geht es beim durchaus performativen Briefeschreiben, wie es Jenny von Westphalen praktiziert, genau um jene Ebene, die keinen Sinn macht, aber geschrieben wird. Anders gesagt: Jenny zensiert ihr Briefeschreiben nicht auf den Sinn hin.


©Kris Dewitte 
 

Die Gefährdung des Sinns wird für eine „Studienausgabe“ am Institut für Marxismus-Leninismus zum Skandal, weil es nicht nur um irgendeinen, sondern den richtigen Sinn, die Doktrin geht. Die Editionspraxis der „Studienausgabe“ legt es darauf an, Sinn herzustellen. Deshalb wird Jennys nicht etwa unleserliche, sondern durch Sinn nicht entzifferbare Stelle unterschlagen. Für die Praxis des Briefeschreibens eröffnet die Stelle allerdings eine Differenz des literarischen Schreibens. Könnte es sein, dass das merkwürdige Gespenst im Manifest aus einem ähnlichen mehrsprachigen Schreibprozess einen der einflussreichsten, politischen Texte des 19. und 20. Jahrhunderts eröffnet? - Wir wissen es nicht. Doch es lässt sich beobachten, dass die Tilgung einer (un-)sinnigen Formulierung mit einer Verdrängung der jungen Frauen aus dem Werk einher gegangen ist.    

 

Friedrich Engels Brief aus seiner Bremer Zeit an seine Freunde Friedrich und Wilhelm Graeber in Barmen thematisiert ebenfalls den Wechsel der Sprachen, als ginge es gar nicht darum, etwas mitzuteilen, sondern die Sprachen um des Schreibens willen wechselvoll zu gebrauchen, wenn er am 17. September 1838 schreibt: „Ego enim quum longiter latine non scripsi, vobis paucum scribero, sed in germanico-italianco-latino.“ (Da ich nämlich lange nicht lateinisch geschrieben habe, so werde ich Euch wenig schreiben, aber auf deutsch-italienisch-lateinisch“ Im darauffolgenden Satz wechselt er vom Lateinischen mitten im Satz ins Deutsche: „Quae quum ita sint, so sollt Ihr auch Wort Latein mehr kriegen, sondern pures, lauteres, reines, vollkommenes Deutsch.“[9] Engels erprobt in seinen Briefen als Siebzehnjähriger auf ebenso unbekümmerte wie kreative Weise nicht nur die Sprachen, die er gelernt hat, sondern auch die, die er während seiner Lehre im Kontor des Bremer Exportkaufmanns Heinrich Leupold als Formulierungen aufschnappt. Sie werden sogleich in den Bremer Briefen angewendet und ausprobiert.   

 

 

Selbst die immer schon politischen Briefe von Friedrich Engels an Karl Marx eröffnen in der Frühzeit bedenkenswerte Szenarien der Handschrift und der Freundschaft. Ende September 1844 schreibt Engels von einem Besuch bei seiner Mutter in Barmen bei Wuppertal an Karl Marx im Pariser Exil. Friedrich schließt mit einem ebenso spielerischen wie abenteuerlichen handschriftlichen Täuschungsmanöver. Die Handschrift des Briefes und sein „damenhafte(s) Aussehen“ sollen die Zensoren täuschen. 

Also tüchtig gearbeitet und rasch gedruckt. Grüße Ewerbeck, Bakunin, Guerrier und die anderen, Deine Frau nicht zu vergessen, und schreibe mir recht bald über alles. Schreibe falls dieser Brief richtig und uneröffnet ankommt, unter Kuvert „J. W. Strücker und Ko., Elberfeld“, mit möglichst kaufmännischer Handschrift auf der Adresse, sonst an irgend eine andere Adresse, von denen, die ich Ewerbeck gab. Ich bin begierig, ob die Posthunde sich durch das damenhafte Aussehen dieses Briefes täuschen lassen werden. 

Nun lebe wohl, lieber Kerl, und schreibe recht bald. Ich bin seitdem doch nicht wieder so heiter und menschlich gestimmt gewesen, als ich die zehn Tage war, die ich bei Dir zubrachte. Wegen des zu etablierenden Etablissements hatte ich noch keine Gelegenheit, Schritte zu tun.[10]

 

Die Handschrift und das Aussehen des Briefes vermögen es, hinsichtlich des Geschlechts des Absenders „die Posthunde“ zu täuschen. Zumindest gibt sich Friedrich Engels dahingehend einige Mühe. Auch dieser Aspekt gehört zur Briefkultur und der Kommunikation in Briefen bei Jenny, Karl und Friedrich zumindest. Die Zensur soll durch eine „möglichst kaufmännische Handschrift“ oder „das damenhafte Aussehen“ umgangen und getäuscht werden. Allerdings verwandelt sich Friedrich – und ausgerechnet er – mit seinen Formulierungen an den „Kerl“ in seinem Täuschungsmanöver durchaus in einen zumindest schwärmerischen Freund. Diese Ebene der Freundschaft zwischen dem jungen Karl Marx und dem zwei Jahre jüngeren Friedrich Engels lassen August Diehl und Stefan Konarske sehr schön sichtbar werden.

Dass Das Kapital ein unabgeschlossenes und offenes Werk geblieben ist, wird im Abspann des Films richtig erwähnt. Das entspricht dem Stand der Forschungsdiskussion und unterläuft deutlich die Doktrin des Marxismus-Leninismus.[11] Ebenso wird mit Fotos und winzigen Filmausschnitten eine Ideengeschichte des Manifests der Kommunistischen Partei angerissen. Das Manifest wurde wie Julian Rosefeldt vor einem Jahr zur Berlinale mit Manifesto im Hamburger Bahnhof gezeigt hat, zu einem folgenreichen literarisch-künstlerischen Vorbild. Weit über eine politische Ideengeschichte hinaus hat das Manifest der Kommunistischen Partei Modi der Kunstproduktion beeinflusst. Die Nähe des Marxschen Manifests wie des Kapitals zur Literatur wird seit geraumer Zeit erforscht.[12]   

Im Film wechseln die Schauspielerinnen und Schauspieler mitten im Satz bisweilen die Sprache von Deutsch zu Englisch oder Französisch. Der häufige Sprachwechsel im Film hat zweierlei Effekt. Erstens wird eine einfache Übersetzung oder Synchronisation hintertrieben. Der Sprachwechsel gehört zum eigentlichen Verständigungsmodus der Freunde inklusive Jenny. Zweitens wird die Aufmerksamkeit auf die Sprache in ihrer Verwendung gelenkt. Ähnliche Prozesse finden in den Briefen statt. Vor allem aber bereitet die Festlegung auf eine Sprache oder die Übersetzung Karl Marx ganz entschiedene Schwierigkeiten beim Schreiben und Übersetzen des Kapitals in den 1860er Jahre. Statt einer Übersetzung bekommt Das Kapital in der französischen Fassung einen anderen Ton als in der deutschen und englischen.[13]    

 

August Diehl als Karl Marx hat lediglich vor der Kamera das Wort „Gespenst“ verbessert. Darauf kam es Raoul Peck in seinem Film offenbar an. Peck verfolgt ein genaues Konzept, das natürlich auch, wie alles beim Film vorgetäuscht ist. Das handschriftliche Manifest hat für den Film die Berliner Künstlerin, Regisseurin und Kalligraphin Miriam Sachs geschrieben.[14] In einem Beitrag der RBB-Abendschau erläutert Miriam Sachs, wie intim es ist, sich eine Handschrift anzueignen und sie als Kalligraphie zur Fälschung zu nutzen. Angesichts nicht nur des Briefes von Friedrich Engels an den „Kerl“ gibt das zu denken.     

 

Torsten Flüh 

 

Filmstart 

Raoul Peck 

Der junge Karl Marx 

Trailer 

ab 2. März 2017 im Kino 

 

Berlinale 2017 

Hostages 

Do 16.02. 13:00 

CinemaxX 7 (E) 

Sa 18.02. 21:30 

Zoo Palast 1 (E) 

_____________________________ 



[1] Siehe die Dokumentation von 2007 in Georgisch im Internet Archive Wayback Machine.

[2] Siehe auch das Video von der Pressekonferenz auf der Berlinale kurz vor der Premiere im Friedrichstadtpalast.

[3] So August Diehl auf der Pressekonferenz.

[4] Rolf Hecker, Angelika Limmroth (Hrsg.): Jenny Marx. Die Briefe. Berlin: Karl Dietz Verlag, 2014, S. 16.

[5] Ebenda S. 15.

[6] Siehe DEA – Red Army Theory Fraction Privatarchiv zur Förderung des Klassenbewusstseins Die einzige authorisierte Website ist http://www.dearchiv.de Marx-Engels-Werke (MEW Band 40).

[7] MEW Band 40, S. 641–643 (Ergänzungsbände (Schriften und Briefe) – früher als Ergänzungsband 1 und 2 bekannt)

[8] Hecker/Limmroth: Jenny … [wie Anm. 2] S. 42.

[9] Vgl. Johann-Günther König: Friedrich Engels. Die Bremer Jahre 1938 bis 1841. Bremen: Kellner, 2008. S. 244 und Anm. 9 S. 557.

[10] August Bebel und Eduard Bernstein (Hg.), Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx. 1844 bis 1883, 1. Band [1844-1849] Stuttgart 1913, 2. Aufl. Stuttgart 1919, J. H. W. Dietz, S. 4.

[11] Siehe Torsten Flüh: Der MEGA-Coup. Zum Abschluss der „Kapital-Abteilung“ der Marx-Engels-Gesamtausgabe. In: NIGHT OUT @ BERLIN 4. Februar 2013 19:00.

[12] U. a. Torsten Flüh: Flugblatt – Zeitung – Blog. Zur Materialität und Medialität als Literatur. Wien: Passagen Philosophie, 2017 (Frühjahr).

[13] Siehe Torsten Flüh: Der … [wie Anm. 10]