Risiko gewinnt - Friederisiko im Neuen Palais in Potsdam eröffnet

Risiko – Friedrich II. – Neues Palais

 

Risiko gewinnt

Friederisiko im Neuen Palais in Potsdam eröffnet

 

Die Ausstellung zum 300. Geburtstag von Friedrich II. von Preußen, von Voltaire mit dem Titel der Große versehen, zur Marke der Alte Fritz popularisiert, Fiederisiko ist ein Muss. Nie zuvor gab es und nie wieder wird es soviel Friedrich geben. Es ist eine Ausstellung des Superlativs geworden. Bereits am ersten Wochenende der Ausstellung besuchten 4.200 Besucher das Neue Palais mit seinem Labyrinth der Ausstellungsräume. Aus konservatorischen Gründen dürfen jeweils nur 1.000 Besucher gleichzeitig in das Schloss, das kein Museum ist.

Das Ausstellungskonzept, kann man schon jetzt sagen, ist in jeder Hinsicht gelungen. Hier wird kein Monarch homogenisiert und auf Linie gebracht, sondern in all seiner Widersprüchlichkeit und Vielschichtigkeit konstellativ arrangiert. Gerade weil das Neue Palais mit seinen Zimmerschluchten und Repräsentationsräumen nicht die Intimität des nahegelegenen Sanssouci inszeniert, sondern den König als Staatsereignis und Souveränitätskonzept vorführt, gibt es genug Räume für 11 thematische Ausstellungsbereiche.

Er ist nicht zu fassen. Durch die Fülle und Größe der Ausstellung bricht Friedrich II. in alle Richtungen auf. Dazu hat er mit seinem unablässigen Verfassen von Texten als vieldeutiger Homme des lettres selbst beigetragen. Und deshalb ist es nur folgerichtig, dass die Ausstellungsräume nicht von langen Erklärungstexten dominiert werden, sondern dass prägnante Friedrich-Zitate in den Mittelpunkt gerückt werden. Das ist eine Herausforderung an die Ausstellungsbesucher, ohne die es nun einmal nicht geht. Denn die kurzen Zitate, die immer dreisprachig – Original Französisch, Übersetzungen in Deutsch und Englisch – präsentiert werden, müssen eben auch gelesen werden.

Der Ausstellungsbesucher als Leser von Friedrich-Zitaten oder solchen von Voltaire, Vertrauten und Freunden wie dem Marquis d’Argent wird auch gefordert. Was sich nicht sofort verstehen lässt, sondern eher Anlass für Fragen gibt, kann durch die Exponate und weitere Kurztexte erschlossen werden. Mit dem zweibändigen Katalog, 4,2 Kilo Lesestoff, kann man in die Tiefe gehen. Und auf perspectivia.net sind die Studien der 4 Friedrich300 Colloquien seit 2007 online zugänglich gemacht. Es ist ein Konzept für den sozusagen aktiven, mündigen Ausstellungsbesucher und Online-Rechercheur.

Zunächst einmal Zitate. Friedrich „twittert“ fröhlich los. –

„Ich werde mein Wort halten. ich werde heiraten. Aber sobald es geschehen ist, dann heißt es: bon jour, Madame, et bon chemin.“ –

„Ich brauche noch ein drittes Tanzpaar; kann man nicht in Paris ein paar Lustige mit schelmischen Augen, hübschen Gesichtern und eleganter Taille finden, die in unserem Berliner Theater herumwirbeln wollen?“ –

„Sachsen zwischen Dresden und Meissen ist völlig ruiniert. […] Mich jammern die Todten und Blessirten unendlich; aber doch ist besser bei Dresden, als bei Berlin.“

Insofern wird keine fertige, belehrende Einordnung geboten, sondern im besten Falle Neugier auf mehr geweckt. Und vor allem wird keine biographische Erzählung als Kontinuum von Entwicklungen heraufbeschworen. Es gibt vielmehr Gleichzeitigkeiten und Überschneidungen, aber keine große Erzählung. Der Einstieg gelingt ohne ein Arsenal an Vorwissen.

An welcher Stelle der Besucher zur Operation Friederisiko ansetzen will, bleibt ihm selbst überlassen. Es gibt keinen imaginären Anfang oder ein absolutes Ende, obwohl diese natürlich sehr wohl mit Geburt und Tod eine Rolle spielen. Doch Friedrich II. wird eben als erster Sohn Friedrich Wilhelm I. bereits in ein dynastisches Regelsystem hineingeboren, wenn man so will. Und nicht nur das. Er ist bereits unter den Vorzeichen der Dynastie gezeugt worden. Es ist nicht die spätbürgerliche Kleinfamilie, in die er hineingeboren wird, sondern der Thronfolger, der die Dynastie als Herrschaftsapparat am Leben halten soll.

Man kann daher sagen, dass Friedrich II. quasi in Diskursbereiche aufgefächert wird. Denn unter den 11 Themen gibt es eben auch das der Dynastie. Dies wird im Neuen Palais sinnigerweise im sogenannten Unteren Fürstenquartier präsentiert. Denn hier kamen die fürstlichen Gäste der weit verzweigten Dynastie zu Gast. Das Fürstenquartier war weniger ein privater als ein politischer Ort, wo die dynastischen Verbindungen unter anderem der zahlreichen Geschwister Friedrichs mit ihren Gatten, Neffen und Nichten quasi im Urlaub Hof halten konnten. Eine Art gehobenes Familienhotel.

Bereits im Bereich der Dynastie werden die Widersprüche bei Friedrich II. deutlich. Das 1769 fertig gestellte Neue Palais ist anders als Sanssouci ein dynastischer Ort. Die politischen Funktionen zur Beherbergung der Verwandten konnte Sanssouci unmöglich erfüllen. Obwohl Friedrich II. sich selbst dem dynastischen Auftrag, der Zeugung von Nachkommen, pointiert nicht verpflichtet fühlt, betreibt er doch eine dynastische Verheiratungspolitik seiner Nichten und Neffen, ja sogar seiner Großnichte Sophie Dorothea mit Paul I. als Thronfolger von Russland im Jahr 1776.

Natürlich überschneidet sich der Bereich der Dynastie dann, wenn er zur Außenpolitik im Bereich Europa und die Welt wird. Das macht auch der exzellente Katalogaufsatz der jungen Historikerin Karoline Zielosko Die Dynastie als Ressource – Friedrich als Oberhaupt der brandenburgischen Hohenzollern[i] deutlich. Friedrich betrieb nämlich nicht zuletzt mit seiner jüngsten Schwester Luise Ulrike von Preußen eine ebenso umsichtige wie ambitionierte Heiratspolitik.

Im Rückblick auf seine dynastische Heiratspolitik schreibt er 1775:

Auf diese beiden Heiraten (Sophie von Anhalt-Zerbst mit Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp, dem späteren Zaren Peter III. und Luise Ulrike von Preußen mit dem schwedischen Thronfolger Adolf Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorp, T.F.) gründete Preußen seine Sicherheit. Eine preußische Prinzessin, die dem schwedischen Thron so nahe stand, konnte gegen ihren Bruder, den König, nicht feindlich gesinnt sein, und eine Großfürstin von Russland, die in Preußen aufgewachsen und erzogen war und ihr Glück dem König verdankte, konnte ihm nicht schaden ohne undankbar zu sein.[ii]  

Friedrich beherrschte mehrere Sprachen bzw. Diskurse und machte sie zu seinen eigenen. Denn nicht nur das Sicherheitsinteresse, sondern die noch stärkere Bindung an Russland wird dann mit der bereits erwähnten Verheiratung der Großnichte Sophie Dorothea betrieben.

Doch Außenpolitik ist nicht nur Bündnispolitik durch dynastische Heiraten. England und Frankreich spielen für Friedrich II. andere Rollen. Vor allem Frankreich gilt als technologisches und ideengeschichtliches Vorbild. Eine besondere Rolle nehmen dabei offenbar Uhren aus Paris ein. Allein anhand des wiederkehrenden Uhrenmotivs stellt sich unwillkürlich die Frage, warum Uhren, die Friedrich II. zunächst importieren lässt, um dann den Uhrenbau in Potsdam zu fördern, so wichtig werden. Einerseits sind Uhren ein Luxusobjekt, andererseits scheinen sie von Anfang an den technologischen Fortschritt zu verkörpern.

Im Bereich Im Wettstreit tauchen Uhren ebenso auf wie bei Europa und die Welt mit Frankreich. Friedrich begehrt die Uhren offenbar als Luxusobjekt für Repräsentationszwecke. Überlegen könnte man allerdings auch, wie wichtig die Uhren für das Hofzeremoniell sind und zur intelligibeln Einteilung von Zeit waren. Die Uhrzeit wird dann wichtig, wenn auf Verabredungen und einer Sequenzierung von Zeit insbesondere eines Tages wert gelegt wird. Ein Bauer lebt zu Friedrichs Zeiten schwerlich nach der Uhr. Doch es ist offenbar nicht rein zufällig ausgerechnet Voltaire, der einmal eine merkwürdige Zeiteinteilung formuliert.

Wenn man Voltaires Formulierung von 1758 (Datierung nach Ausstellungstext, Thema: Körper und Seele)  zur Zeiteinteilung Friedrichs liest, dann muss man sich eigentlich fragen, ob denn nun er oder Friedrich auf die Uhr geschaut hat. Warum diese auch noch widersprüchliche Zeiteinteilung einer „demi quart-d’heure“?

War Seine Majestät gekleidet und gestiefelt, huldigte der Stoiker für ein paar Augenblicke der Sekte Epikurs: er ließ zwei oder drei Favoriten kommen, Leutnants aus seinem Regiment oder Pagen, Heiduken oder junge Kadetten. Man trank Kaffee. Derjenige der das Taschentuch zugeworfen bekam, blieb eine halbe Viertelstunde mit dem König allein (tête à tête im Original, T.F.). Es kam dabei nicht zum Äußersten. […] Nach diesen Schuljungenstreichen kamen die Staatsgeschäfte an die Reihe. (Zitiert nach Ausstellungstext, Thema: Körper und Seele)     

Demi quart-d’heure? Das wären 7,5 Minuten. Für den Genuss eines „tête à tête“ ist das nicht gerade üppig. Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass Friedrich bei dieser offenbar regelmäßigen Einhaltung eines Quickies am Nachmittag es mit jedem Top-Manager unserer Tage aufnehmen konnte.

Es sind derartige Überschneidungen, die sich beim Besuch von Friederisiko ergeben. Sie lassen sich nicht einfach im Katalog einfangen, sondern ergeben sich erst, wenn einem auffällt, dass Uhren für Friedrich mehr gewesen sein müssen als nur Luxus und Handwerk. Eine Taschenuhr habe ich übrigens in der Ausstellung nicht gesehen. Uhren sind Möbel, die Räume und Handlungen bestimmten Zeiten zuordnen, müsste man wahrscheinlich formulieren. Damit ließe sich dann ein weiteres Fenster im Leben Friedrich II. öffnen. Ein anderes, in Variationen wiederkehrendes Objekt sind Tabakdosen.

Tabakdosen haben, so kommt einem bei der Wiederkehr in unterschiedlichem Design in den Sinn, offenbar eine ähnliche Funktion wie Armbanduhren von Bucherer, Bulgari oder Rolex mit Brillanten heute. Eingedenk der Äußerung von Ole von Beust, dass er es nicht mehr ertragen konnte, wie die Armbanduhren der Herren in Hamburg immer größer und teurer werden und andererseits über Armut gestritten wird, sind die mit Brillanten und dem königlichen Konterfei besetzten Tabakdosen ein männliches Accessoire der Macht und des Genusses.

Friederisiko räumt risikobereit mit den Friedrich-Mythen des 19. und 20. Jahrhunderts auf. Dabei wird Friedrich weder leichtfertig homosexualisiert noch wird geleugnet, dass Friedrich sich geradezu programmatisch den sogenannten Betenden Knaben als recht kostspieligen Erwerb vor das Fenster seines Bibliothekszimmers im Schloss Sanssouci stellt, noch werden die eifersüchtelnden Briefe mit seinem Bruder, Prinz Heinrich, unterschlagen. Wer allerdings von ihm den Bekenntnissatz erwartet: ich bin schwul oder ich bin homosexuell oder ich bin „Päderast“ oder „Sodomit“, was die zeitgenössischen Formulierungen wären, wird auf ewig warten dürfen. Coming-out-Sätze gehören nicht zu Friedrichs Sprachvermögen.

Reinhard Alings thematisiert sehr ausführlich, kenntnisreich und auf der Höhe des wissenschaftlichen Diskurses Friedrichs Sexualität in seinem Katalogaufsatz »Don’t ask – don’t tell« - War Friedrich schwul?[iii] Alings macht vor allem deutlich, dass die Frage falsch gestellt ist. Wenn schwul eine moralische Kategorie ist, dann ist die Frage falsch, weil Friedrich nicht moralisch über Sexualität denkt. Es ist für ihn dezidiert kein Bereich von Moral-, Normativitätsfragen.

Moral ist für Friedrich allenfalls eine Kategorie, von der er durch die schmerzliche Konfrontation mit seinem Vater weiß. Eher gehört das Praktizieren von Sexualität am Hofe Friedrichs zum Souveränitätskonzept, in dem die Wollust, Voltaires volupté, eine entscheidende Rolle spielt. Durch die Praxis der Wollust, an die sich das Genießen – La Jouissance – anschließt, wird Friedrich souverän.

Fast ununterscheidbar fällt das prestigeträchtige und kostspielige Herrscherhobby des Anbaus von Südfrüchten im Park von Sanssouci mit dem Genuss zusammen. Friedrich lässt sich den Genuss von Kirschen im Winter nicht nur 400 Taler kosten, weil die Kirschen so gut schmecken, sondern weil sie ihn einzigartig machen und als Herrscher, Souverän auszeichnen. - Von hieraus ließe sich wieder ein Bogen zum Chinesischen Haus im Park schlagen, das in seiner rätselhaften Ikonographie zugleich Menschen beim Essen von Melonen oder Tofu oder Teetrinken in Szene setzt. 

Ähnliche Überschneidungen deuten sich an bei dem von Voltaire formulierten Wechsel vom Stoiker zum Epikurer. Denn Epikur ist der antike Philosoph des Genusses. Der Genuss, ob nun taktil, oral oder anal praktiziert, hat ein Zeitfenster von demi quart-d’heure. Er ist in den Tagesablauf integriert. Er wird nicht verheimlicht oder versteckt, sondern hat seinen Platz im Zeitmanagement des Souveräns, so könnte man es an Voltaires Memoiren anknüpfend sagen.  

Alings hebt hervor, dass Friedrich in Hinsicht der Verbreitung dieser und ähnlicher Formulierungen durch Voltaire keine Zensur ausübte. Dass sie bei Übersetzungen nicht übersetzt wurden, hat dann schon eher etwas mit einer Selbstzensur der Verleger und Übersetzer zu tun. Wie denn nun die sexuelle Praxis Friedrich II. en detail stattgefunden haben mag, ist bisher nicht aus Archiven ans Licht gekommen. Das dürfte nicht zuletzt ein sprachliches Problem sein. Webcam gab es ja noch nicht. Und die Formulierung

les choses nallaient pas jusqu’aux dernières extremités

kann man doch mit einiger Begabung und Kenntnis sehr unterschiedlich lesen.

Im Abschnitt Tagesgeschäft liegt in einer Vitrine ein Objekt in Friedrichs Schlafkammer, kein Prunkbett wie in den Fürstenquartieren, das derart aus der Mode gekommen ist, dass es sich dem Besucher wirklich nur aus der Beschreibung erschließt:

Puderzerstäuber Friedrichs II.

Um 1780, Leder und Holz, Offenbach am Main, Deutsches Ledermuseum

Diese „Poudre-Machine“ dient allmorgendlich vor dem Ankleiden dem gleichmäßigen Einpudern der Perücke Friedrichs. Sie stammt aus dem Nachlass von Friedrichs Leibpagen von Rathenow, der 1782 seinen Dienst antritt.

1786 stirbt Friedrich. Ein wundervolles Ausstellungsstück!

In dem Appartement, das Friedrich im Neuen Palais dem Marquis d’Argent bestimmte, ist die Abteilung Verhältnisse eingerichtet. Einerseits betreffen die „Verhältnisse“ Friedrichs Freundschaften zu seiner Lieblingsschwester Wilhelmine, Voltaire, Fredersdorf, Algarotti, für den er ein pompöses Grabmal errichten ließ, den Marquis d’Argent, die Hunde und das Pferd Condé. Andererseits waren die Verhältnisse zwischen Freundschaftskult, Ersatzfamilie und Abhängigkeitsverhältnis nie unproblematisch, was beispielsweise bei Voltaire, der als Gast Friedrichs in Berlin fröhlich gegen Friedrich mit Geld spekulierte, nicht nur an Friedrich lag.

Von der Seite der Verhältnisse lässt sich wieder ein Bogen zurück zu Körper und Seele mit dem bewussten Voltaire-Zitat schlagen. Denn diese Fragen darf man an Voltaires epikureische Inszenierung vielleicht doch stellen, was eigentlich passiert, wenn es die sogenannten Favoriten um 5:00 Uhr oder so am Hof gibt und andererseits offenbar gleichzeitig die Favoriten der Favoriten wie Fredersdorf am Hof Karriere machen. Abgesehen von den Persönlichkeiten wie Marquis d’Argent, die in vollendetster Höflichkeit und Zärtlichkeit auf blumigem Papier Grüße an den König bei seiner Armee schreiben.

Moralisieren oder gar mit bürgerlichen Maßstäben des 19. und 20. Jahrhunderts lässt sich bei Friedrich II. die Personlichkeit schwerlich messen. Der Hof in Potsdam ist in vielfacher Hinsicht ein friederizianisches Universum, in dem die Uhren anders laufen. Schockierend und zugleich rührend ist die Statue, die 1770 von den Verehrern Voltaires (1694-1778) und unter finanzieller Beteiligung Friedrichs bei dem Pariser Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle in Auftrag gegeben wird und 1776 mit der Inschrift

A Monsieur De Voltaire Par Les Gens De Lumiere, Ses Compatriotes, Et Ses Contemporaines.

abgeschlossen wird. Friedrich ließ sich umgehend für das Vestibül von Sanssouci eine Kopie anfertigen.

Der nackte Voltaire wirkt schockierend modern. Er war ein Skandal. Um so bemerkenswerter ist es, dass Friedrich die Marmor Skulptur als Kopie in Sanssouci haben wollte. Er hatte für die Arbeit die bedeutende Summe von 200 Louisdor beigesteuert. In der Ausstellung ist das Original aus dem Louvre zu sehen. In Konstellation mit der Darstellung seiner Schwester Wilhelmine für den Freundschaftstempel, den er ihr erbaute, wird nicht nur der Kontrast deutlich, sondern überhaupt die Offenheit für derart unterschiedliche Freundschaftsbeweise.        

Vielleicht ist gerade das die große Kunst und der noch größere Verdienst von Friederisiko, dass sich von überall her in der Ausstellung neue Verweise und Anknüpfungspunkt ergeben. Nicht ganz ohne die bekannten, biographischen Erzählmuster, aber diese vor allem durchlässig machend, entsteht ein Friedrich-Bild das vielleicht am ehesten einem Raum gleicht, der erstmals wieder zugänglich gemacht worden ist, doch der leer bleibt: das Grüne Scherbenzimmer. Ein Novum, einzigartig, brüchig, uneinholbar und äußerst faszinierend.

Torsten Flüh

 

Friederisiko

bis zum 28. Oktober 2012  



[i] Zielosko, Karoline: Die Dynastie als Ressource – Friedrich als Oberhaupt der brandenburgischen Hohenzollern. In: Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg.): Friederisiko. Berlin 2012. S. 74-85.

[ii] Ebenda S. 83

[iii] Alings, Reinhard: »Don’t ask – don’t tell« - War Friedrich schwul?. In: siehe oben S. 238-247