TEDDY macht Politik - Die 32. TEDDY AWARD Zeremonie war politischer denn je

Sprachpolitik – TV – Männlichkeit 

 

TEDDY macht Politik 

Die 32. TEDDY AWARD Zeremonie war politischer denn je 

 

Die Welt ruckt nach rechts. Der Populismus spielt sich nicht links, sondern rechts ab. 2016 hat ein folgenreicher Rechtsruck in Brasilien stattgefunden. Rio de Janeiro hat sich verändert. Linn da Quebrada aus São Paulo gibt sich während der TEDDY Preisverleihung im Haus der Berliner Festspiele mit dem Supertalent Jack Woodhead kämpferisch. Der Film über Linn, Bix Travesty, der im Berlinale Panorama lief, hat den TEDDY für den besten Dokumentarfilm gewonnen. 2017 wurden in Brasilien 400 Lesben, Schwule, Trans- oder Inter-Menschen ermordet. In São Paulo allein 59. LGBTI*s „dürfen“ ermordet werden, obwohl Brasilien schon 2013 die Ehe für alle eingeführt hat. Linn da Quebrada ist eine Kämpferin. Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz, Suzette und Daphne, kamen ebenfalls im schillernden Ornat mit Gardist Moneo Pascal zum Berlinale Event.

 

Homosexuelle werden neuerdings verstärkt von konservativen Christen, Buddhisten und Muslimen in Polen, Ungarn, Afrika, Myanmar, Indonesien und der Türkei verfolgt. In Bermuda wird die Ehe für alle auf Druck konservativer Christen wieder abgeschafft. Großbritanniens Außenminister Boris Johnson legte kein Veto ein. Das katholische Paraguay gehört nicht zu den offensten Gesellschaften Südamerikas. Das machte der Film Las herederas, Die Erbinnen, von Marcelo Martinessi im Berlinale Wettbewerb deutlich. Der Regisseur betont es bei seiner Dankesrede zum TEDDY. Der Film erhielt am Freitagabend den TEDDY Readers‘ AWARD. Am Samstag wurde Hauptdarstellerin Ana Brun im Wettbewerb mit dem Silbernen Bären als Beste Darstellerin ausgezeichnet, während sich der Regisseur über den Silbernen Bären, Alfred-Bauer-Preis, freuen durfte.

 

Binnen eines Jahres hat sich auch in Deutschland die Politik mit dem Wahlerfolg der AfD zum Nachteil der Rechte von LGBTI*s verändert. Konservative fordern den Rollback. Ins Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die sich zum Ziel gesetzt hat, „an Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtliche sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken“[1], hat die AfD nicht etwa Alice Weidel, sondern die homophobe Lehrerin Nicole Höchst aus Kreuznach entsandt.[2] Nicole Höchst hat eine offene Kampagne gegen die Rechte von Homosexuellen und den differenzierten Sexualkundeunterricht in der Schule im Wahlkampf durchgeführt.

Die Buntheit und Diversität des TEDDY AWARD wie der Zeremonie im hoch offiziellen Haus der Berliner Festspiele, die durch Monika Grütters als Bundesbeauftragte für Kultur und Medien finanziert werden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei der binären  Geschlechterseparation, AfD, nicht nur im Bundestag sitzt, sondern einen massiven, revisionistischen Einfluss auf Homo-Rechte in Bundesstiftungen und Haushaltsausschüssen erhalten hat. Vielfalt ist politisch zu einer Zeit, in der rechte Strömungen und allen voran die AfD ein streng heteronormatives, „deutsches“ Geschlechtsbild in die Gesellschaft implantiert.

Der AfD ist es bereits gelungen, den öffentlichen Diskurs über LGBTTIQ zu manipulieren. Die CSU spricht nicht kampagnenartig über Heimat und Familie, weil sie dafür ein Konzept hätte, sondern weil sie den Machtverlust in Bayern fürchtet. Das ist der Hintergrund des Heimatministeriums. Die CDU in Sachsen spricht sich nicht gegen den Koalitionsvertrag aus, weil sie Argumente hätte, sondern weil die AfD in Sachsen den Diskurs von Herkunft und Geschlecht beherrscht, um damit in der Bundestagswahl stärker als die CDU diesem Bundesland werden. Die politische Agenda der AfD ist nicht die Revision, sondern die Vision einer rassistischen, nationalistischen, maskulin dominierten, nach Geschlecht separierten Gesellschaft. Sachsen ist nicht etwa rückständig, sondern Vorreiter eines (neuen) Deutschland. Das ist nicht zuletzt mit dem Programm und der Sprachpolitik des Antaios Verlags auf der Frankfurter Buchmesse offensichtlich geworden.[3]   

Der TEDDY AWARD ist in diesen Zeiten unverzichtbar und hat eine Vorbildfunktion, weil die Neue Rechte mit Mythen der Männlichkeit nicht nur unter Schwulen punktet, sondern weil der schwule Jack Donovan einer der führenden, rechten Ideologen der Neuen Männlichkeit geworden ist.[4] Der Weg der Männer von Jack Donovan, für den Antaios Verlag von Martin Lichtmesz 2016 ins Deutsche übertragen, ersetzt strategisch den Begriff gay durch „androphile, to describe a man whose love of masculinity includes sex with other men“, wie Maureen O’Connor deutlich macht.[5] Als queer hätte sich Jack Donovan schon gar nicht bezeichnet, es sei denn, indem er den Begriff gleich als rechten Kampfbegriff umformuliert hätte.

 

Zwei Punkte werden bei Jack Donovan deutlich: Sprachpolitik erstens als Verschiebung und zweitens als Ersetzung von Begriffen gehört zur rechten Strategie. Männlichkeitsphantasien schließen ein gleichgeschlechtliches Begehren nicht aus, sondern ein. Gerade Schwule werden von den Bildern der Männlichkeit in der Neuen Rechten nicht abgestoßen, sondern angezogen. „Was ist Männlichkeit“, fragt der Teaser im Verlagsprogramm und bietet sogleich die Antwort: 

Auf eine knappe Formel gebracht: Männlich bleibt oder wird, wer mit anderen Männern einen Bewegungsraum für die Gruppe, die Bande, die virile Atmosphäre schafft… Es geht also – gegen jeden Gender-Trend und gegen jede Verweichlichung des Mannes – um eine Reconquista maskuliner Ideale und um eine Re-Polarisierung der Geschlechter.[6]

 

Sprache generiert Bilder – und Filme. Der Künstlername Linn da Quebrada wie Linn von (oder aus der) Favela, aber auch im Englischen wie Linda, führt die queere Sprachpolitik als Travestie vor. Damit unterscheidet sie sich insbesondere vom Antaios Verlag, der sich ernsthaft die Adresse „Rittergut Schnellroda“ gegeben hat, um das Bild einer adeligen Herkunft zu vermitteln. Ein historistischer Geschlechtsadel der ritterlichen Männlichkeit sozusagen. Die marginale Herkunft von Linn da Quebrada wird dagegen mit dem da zum Adelstitel stolz und paradox gewendet. Der weibliche Name wird zum Geschlechtswechsel, während Linn da Quebrada als brasilianischer „Travesti“ keine operative Geschlechtsangleichung im Genitalbereich vornehmen lässt.

 

Sie ist Frau und behält trotzdem mit dem Penis das Geschlechtsmerkmal des Mannes, was bei Männern wie Jack Donovan zu einer schweren narzisstischen Kränkung führen muss. An dieser Stelle müssen einmal die Geschlechterbilder von Jack Donovan und Linn da Quebrada gegeneinander geführt werden, um den Unterschied queerer Bild- und Sprachpolitik deutlich zu machen. Jup de Beirro, Jup von der Vorstadt, die ebenfalls mit ihrer Körperfülle nicht den Männerbildern aus der Muckibude entspricht, begleitet Linn da Quebrada. Sie ist subversiv, weil der Name das Geschlecht in mehrfacher Weise ausspielt: als Frau mit Brüsten und Hüften, als Mann mit Penis sowie mit der Favella als stolzer Adelstitel. Jack Donovan macht dagegen seinen Körper zu einem muskulös durchtrainierten Körper und lässt sich „Honor“ auf das Sixpack tätowieren.[7]

 

Auf beunruhigende Weise konkurrieren die Geschlechterbilder der brasilianischen „Travesti“ wie Luana Muniz [8] und Linn da Quebrada mit geschlechtlicher Identität, weil ihre Identität wenigstens gespalten ist. Es wird keine geschlechtlich-identitäre Normalisierung vorgenommen. Vielmehr verstärkt Linn da Quebrada, wie man mit ihrem Show-Auftritt in der TEDDY AWARD CEREMONIE 2018 sehen und hören kann, die Spaltung. Denn sie performt einen durchaus harten, maskulinen und gar sexistischen Funk carioca.[9] Funk als agitatorische Kampfkunst. – „Hey, hey, you there,/You discreet Male.“ – Travesti sind das, was Jack Donovan und seine „Bande“ auf keinen Fall sein wollen. „Honor“ und Körper müssen identisch sein. Seine Männlichkeit kommt aus der Muckibude und ihren vergessenen Quellen von Johann Joachim Winckelmann, wie es sich mit George L. Mosses The Image of Man (1996) sehen lässt.[10] 

 

Wieland Speck hat in Berlin mit dem TEDDY AWARD und der Sektion Panorama zusammen mit Manfred Salzgeber aus dem Nichts Einzigartiges von filmhistorischer und gesellschaftlicher Bedeutung geschaffen. Dafür wurde ihm mit Standing Ovations am Freitagabend gedankt. Einer der großen Momente der Zeremonie, der mit TEDDY TV zugänglich sein wird. Dieser Moment sollte gut erinnert werden, wenn es um die Frage einer Nachfolge von Dieter Kosslick geht. Manfred Salzgeber gründete in den 1970er Jahren das Internationale Forum des Jungen Films als Ergänzungsprogramm zum Berlinale Wettbewerb. „1982 nahm Salzgeber Wieland Speck an seine Seite und baute ein Programm auf, das gesellschaftliche Konflikte und neue Ästhetiken aufgriff und sich dabei niemals scheute, unbequem zu sein. 1986 gab er der Sektion den Namen Panorama.“[11]

 

2017 gab Wieland Speck seine Funktion als Leiter des Panorama nach 25 Jahren auf, um Berater der Berlinale zu werden. Das Panorama hat sich in der Berlinale nicht nur etabliert, vielmehr ist es unverzichtbar geworden. Es wurde nicht zuletzt zu einer Art Talentschmiede: „Pedro Almodóvar, Gus van Sant, Isaac Julien, Stanley Kwan, Ira Sachs, Rose Troche, Lukas Moodysson, Céline Sciamma, Małgorzata Szumowska, François Ozon, Jay Duplass, Monika Treut, Sébastien Lifshitz, Bruce LaBruce, Naoko Ogigami, Cheryl Dunye, Derek Jarman und viele andere“[12] wurden zuerst im Panorama gezeigt und entdeckt. Wieland Speck hat die Gründung und Unterstützung von queeren Filmfestivals mit dem TEDDY AWARD weltweit über Jahrzehnte maßgeblich beeinflusst.

 

In der öffentlichen Wahrnehmung der Berlinale wird die internationale Funktion und Anerkennung gerade durch das Publikum der Internationalen Filmfestspiel Berlin unterschätzt. Nirgends – nicht in Cannes, nicht in Venedig und ganz besonders nicht beim Oscar (!) – gibt es eine größere Vielfalt und mehr Publikumsbeteiligung als in Berlin. Für die Publikumsbeteiligung hat die Initiative von Manfred Salzgeber und Wieland Speck entscheidende, nachhaltige Impulse gegeben. Im Wettbewerb entscheidet die Jury bzw. eine Reihe von Fachjurys. Im Panorama entscheidet das unendlich heterogene Publikum von jährlich über 20.000 internationalen Berlinale-Besuchern. Den Panorama Publikums-Preis erhielt in diesem Jahr Profile von Timur Bekmambetov und den für den besten Dokumentarfilm The Silence of Others von Almudena Carracedo und Robert Bahar.

 

Der Pabst, Markus Pabst, ist eine Institution. Jack Woodhead kündigt ihn als „The Pope“ an. 2014 inszenierte Markus Pabst mit Jack Woodhead, David Pereira u. a. im Wintergarten Varieté das Artistical Der helle Wahnsinn.[13] Eine Kombination aus Theater, Musical und Akrobatik. Pabst blieb vor bzw. hinter der Bühne. Natürlich macht der Pabst Politik und gibt Audienzen. Nach Made in Berlin 2010 in der Regie von Markus Pabst entwickelte er das Varieté zu einer neuen, frischen und politischen Kunstform.

 

Bei der Zeremonie und Show des TEDDY AWARD kommt es Markus Pabst mehr auf Text und Politik an. Er verliest, was so über Schwule etc. gesagt wird und sich reimt. 

“When men love men, we’ll all die out” 

“Stay out of it, you don’t understand women” 

“A little slap on the ass” 

“You can get married now, 

that’s still not enough? 

Now transgender?” 

“Oh look at him blubber” 

“He’s too soft” 

“Hey hey hey” 

“That’s fixable, just show him some girls, 

the hot ones” 

“Now only women and gays 

get the good jobs” 

“Gays live at our expense” 

“Those poor people suffer their whole lives” 

“Don’t make such a fuss” 

“Sissy” 

 

Was als Redensarten über Schwule etc. kursiert, knüpft an Diskurse zwischen Volkswirtschaft – „Gays live at our expense“ –, Geschlechterbildern – „He’s too soft“ – oder Medizin – „That’s fixable, just show him some girls, the hot ones“ – an. Markus Pabsts ebenso lachhafte wie im Deutschen sich reimende Aneinanderreihung von Redewendungen klingt nach. Es sind mehr oder weniger immer die gleichen Redewendungen, die genutzt werden, um das andere zu markieren und auszugrenzen. Als müsse der Titel des weltweiten ersten schwulen Films Anders als die Andern (1919) zur Abschaffung des § 175 Strafgesetzbuch in der Aufklärungsregie von Richard Oswald und unter Beratung von Magnus Hirschfeld bestätigt werden, sind es immer die gleichen Formulierungen.[14] Das Dokudrama, wie man heute sagen würde, führte die Folgen der strafrechtlichen Markierung vor: Erpressung, Verleumdung und Selbstmord. Es sind die diffamierenden Formulierungen in den Zeitungen, die von Magnus Hirschfeld und Richard Oswald 1919 filmisch besonders stark in Szene gesetzt werden.  

 

Weil gesagt und ständig wiederholt wird, was man/frau vom Hörensagen weiß, muss stimmen und wahr sein, was man so von Schwulen und Queeren sagt. Das Hörensagen, das sich schwer fassen lässt, generiert die allergrößte Macht und Gewalt. Pabst führt das Hörensagen in seiner Rede vor. „Hey hey hey“ „Ganz vorsichtig mein Lieber.“ „Das wird man doch noch sagen dürfen.“ „Das sagen doch alle.“ Den wohlfeilen Redewendungen, die pauschalisierend das Wissen über Schwule etc. generieren, muss man entgegentreten. Sie kehren gerade machtvoll zurück. Der Kampagne und der Wahlerfolg von Nicole Höchst (AfD) basieren einzig und allein auf dem dünnen Wissen der Redewendungen, an das sich so prima andocken lässt. Wir müssen diese Mechanismen des populistischen Erfolgs aufdecken und bekämpfen mit anderen Bildern. Der Populismus wird auf diese Weise zum Effekt hergebrachter, unreflektierter und undifferenzierter Redewendungen als vermeintliche Wahrheit des Volkes. Der Populist wiederholt scheinbar bestätigend, was als Redensarten kursiert und vermeintlich nicht gesagt werden durfte. Das ist das ganze Twitter-Geheimnis der permanenten Grenzüberschreitungen Donald Trumps. 

 

Es ist vielleicht nicht nur zufällig, sondern ein Symptom, dass Nicole Höchst bis zu ihrem Einzug in den Bundestag im Referat „Sprachen Sekundarstufe I und II“ des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz arbeitete. Als Funktionärin des schulischen Sprachunterrichts, weiß Nicole Höchst sehr genau, wie man aus Spracherwerb Wissen macht. Man muss bestimmte Redewendungen nur oft genug wiederholen, damit sich die Wähler in ihrem Wissen bestätigt, gar ernst genommen fühlen. – „Wenn Männer Männer lieben, werden wir alle aussterben.“ – Vielleicht hat sie sich darüber noch nie Gedanken wie Sprache Wissen verändert, vielleicht geht es ihr auch gerade darum, frei kursierende Redewendungen beizubehalten, sie nicht zu verändern, weil sie sie als ihr verbürgtes und bestätigtes Wissen vorkommen. Wir wissen es nicht. Doch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld arbeitet nicht zuletzt im Bereich der Sprache über LGBTTIQ. Das liest sich kompliziert, schafft unterdessen vor allem Unterschiede, wo Redensarten pauschalisieren, Gruppen bündeln und ausgegrenzt werden.

 

Die Rapperin Sookee performte auf der TEDDY AWARD Zeremonie zweimal. Sie arbeitet in ihren Texten konkret mit Sprache. Es geht nicht nur um nette Beziehungsgeschichten, sondern um Redewendungen oder einzelne Begriffe, die im populären Kontext auftauchen. In ihrem Song Hurensohn aus dem Album Mortem & Makeup greift sie „den ebenso problematischen wie inflationären Begriff aus der Sicht eines Kindes“ auf.[15] Der Begriff stellt ein Wissen über die Mutter des Kindes her, nämlich dass sie der Prostitution nachgehe. Gleichwohl wird der Begriff besonders in jugendlichen Kreisen zwischen schwerwiegender Beleidigung und kumpelhafter Begrüßung gebraucht. Beispielsweise gab es eine schwerwiegende „Hurensohn“-Affäre des Rappers Bushido mit einem Security-Unternehmer. Rapp wird gerade durch sein sexistisches Vokabular für Jugendliche attraktiv.

 

Sookee hat schon 2015 eine klare Haltung bei der Eröffnung der Ausstellung HOMOSEXUALITÄT_EN im Deutschen Historischen Museum mit „Pro Homo“ gezeigt.[16] Es gibt in der Weise, wie über Homosexualität und Travesti gesprochen wird, eine durchaus breitere Bewegung, die mehr oder weniger stark die Rolle der Sprache zum Thema macht. Das hat auch Evangelia Kraniot mit ihrem TEDDY Jury Award preisgekrönten Essayfilm Obscuro Barroco vorgeführt. Die Sprache und das Sound Design sind für den Film und seinen Erfolg existentiell. Tinta Bruta von Marco Reolon und Filipe Matzembacher thematisieren nicht zuletzt den Chatroom im Internet, in dem es bekanntlich um ein mehr oder weniger zielorientiertes Plaudern geht und erhielten den TEDDY für den besten, queeren Spielfilm. Retablo (Altarbild) von Alvaro Delfado Apracio aus Peru, mit dem L’Oreal TEDDY Newcomer Award ausgezeichnet, setzt nicht zuletzt eine patriarchale Sprache in Szene. 

 

Torsten Flüh 

 

TEDDY AWARD 2018 

Ceremony

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[1] Bundesstiftung Magnus Hirschfeld: Über die Stiftung. Wissen schafft Akzeptanz.

[2] LSVD: Ungeeignet und unqualifiziert - AfD im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. LSVD Pressemitteilung vom 25.01.2018.

[3] Vgl. auch Torsten Flüh: Verstörende Revolutionen. Diversität und Sprachpolitik von extremistischen Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse 2017. In: NIGHT OUT @ BERLIN 18. Oktober 2017 18:17.

[4] Maureen O’Connor: THE NEW FAR RIGHT: The Philosophical Fascists of the Gay Alt-Right. In: The Cut APRIL 30, 2017 9:00 PM.

[5] Ebenda.

[6] Antaios Verlag: Gesamtverzeichnis 2017. Antaios Verlag: Steigra („Rittergut Schnellroda“), 2017, S. 8.

[7] Siehe Google / Search Jack Donovan / Bilder

[8] Siehe: Torsten Flüh: Strategieratgeber für die (nächste) Berlinale. Nachmittags zu Inflatable Sex Doll of the Wastelands in den Delphi Filmpalast und zu Obscuro Barocco im Zoo Palast. In: NIGHT OUT @ BERLIN 25. Februar 2018 21:29.

[9] Vgl. auch Anne-Sophie Schmidt: Queere Power aus Brasilien. In: Der Tagesspiegel 22.02.2018 18:55 Uhr.

[10] Siehe dazu: Torsten Flüh: Die Geburt der Muckibude aus dem Altertum. 300 Jahre Johann Joachim Winckelmann mit Winckelmann – Das göttliche Geschlecht im Schwulen Museum*. In: NIGHT OUT @ BERLIN 2. Juli 2017 22:24.

[11] Siehe Berlinale Panorama Historie.

[13] Siehe: Torsten Flüh: Artistical grandissimo. Der helle Wahnsinn im Wintergarten-Varieté. In: NIGHT OUT @ BERLIN 27. Juli 2014 21:16.

[14] Vgl. zu Anders als die Andern: Torsten Flüh: Der Experimentator. Brotfabrik zeigt Tiergarten (1979) von Lothar Lambert. In: NIGHT OUT @ BERLIN 16. September 2011 18:03.

[15] Sookee: About.

[16] Torsten Flüh: Jenseits von HOMOLULU. Zur Geschichtlichkeit und Visualität der HOMOSEXUALITÄT_EN im Deutschen Historischen Museum und dem Schwulen Museum. In: NIGHT OUT @ BERLIN 1. Juli 2015 18:09.