Zum neuen Analphabetismus der Digitalisierung - E-READ-Experten sprechen im Kulturstadion auf der Frankfurter Buchmesse übers Lesen

Lesen – Digitalisierung – Buch 

 

Der neue Analphabetismus der Digitalisierung 

E-Read-Experten sprechen im Kulturstadion auf der Frankfurter Buchmesse übers Lesen 

 

Es gibt bei jungen Schülern in der Europäischen Union einen neuartigen Analphabetismus. Der dänische, stellvertretende Direktor für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission, Jens Nymand Christensen, diskutierte im fußballaffinen „Kulturstadion“ in Halle 4.1 auf der Buchmesse mit Anezka Kuzmicova und Adriaan van der Weel über die Auswirkungen des Digitalen auf das Lesen und Lernen. – „How does reading work? A debate on the impact of digital on reading and learning.“ – Im europäischen Forschungsnetzwerk E-READ COST wird das Lesen in digitalen Medien im Unterschied zum Lesen in Büchern erforscht. Denn laut PISA-Studie von 2015 greift ein neuer Analphabetismus um sich, wie Christensen im Kulturstadion ausführte.

 

Wie funktioniert Lesen? Im Kulturstation geht es ums Lesen. Die Popularität des Fußballs soll nach Eigendarstellung der gemeinnützigen Gesellschaft LitCam für „Bildungsgerechtigkeit und Integration“ durch Lesen eingesetzt werden. Als Kooperationspartner der LitCam arbeitet die DFL Stiftung aus dem „Profifußball für die Gesellschaft und für die Sportfamilie“ bundesweit mit Schulen, Bundesliga Vereinen wie Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV sowie beispielsweise dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport ebenso wie mit mehreren Verlagen zusammen. Im Kulturstadion schauten an den Publikumstagen Samstag und Sonntag BVB Profi Marcel Schmelzer, Otto Rehhagel, Huub Stevens etc. vorbei. Sehr gute Fußballer wie Thomas Hitzlsperger oder Philipp Lahm konnten als Aktive ein Fußballspiel lesen.

 

Thomas Hitzlsperger[1] und Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, konnten als Aktive nicht nur ein Fußballspiel, in dem sie führend mitspielten, lesen, sie waren und sind auch dafür bekannt, dass sie Bücher lasen und lesen.[2] Was heißt es, wenn man ein Fußballspiel lesen kann? Und wie könnte das mit dem Lesen von Büchern als längeren Erzählungen korrelieren? Auf dem Fußballfeld Bolzen als einem planlosen, „ohne System“ Spielen[3] spricht beispielsweise nicht für eine hohe Lesefähigkeit im Fußball. Auf den Fußballfeldern dieser Welt wird allerdings viel und häufig gebolzt, was die, wenn man so will, weltmeisterliche Lesefähigkeit von Philipp Lahm wichtigmacht.

 

Bolzen gilt als maskulin. – „Hitz the hammer“ – Lesen eher als feminin. – „Vor allem Jungen fehlen oft die männlichen Lesevorbilder.“[4] – Als das internationale Fußballspiel noch kein Gegenstand von computergestützten Spielanalysen und internationalen Finanztransaktionen war, wurde mehr gebolzt. Lesen galt im Fußball als verdächtig. Großer Beliebtheit besonders unter jugendlichen, nicht im Verein organisierten Fußballspielern erfreut sich der Bolzplatz. Laut Online-Enzyklopädie Wikipedia kommt er nur im Deutschen vor.[5] Den Bolzplatz gibt es in anderen Sprachen nicht. Eine „football area“ oder ein „football ground“ sind noch lange kein mehr oder weniger ad hoc aus Eigeninitiative entstandener und bisweilen über Generationen genutzter Bolzplatz.

 

Auf dem Bolzplatz werden Jungs zu Männern, könnte man einmal sagen. Und was hat das alles mit Digitalisierung zu tun? Donald Trump hat Twitter zu seinem Bolzplatz gemacht, trifft den Übertragungsvorgang ziemlich genau. Seit 2002, als sich Philipp Lahm als „Lesebotschafter“ für die Stiftung Lesen zu engagieren begann, hat sich das durchaus geschlechtlich definierte Problem mit der zunehmenden Digitalisierung noch einmal verschoben und zugespitzt, wie im Kulturstadion deutlich wird. Es gibt nach E-READ einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von digitalen Medien beispielsweise Messenger, Whatsap, WeChat oder SnapChat – „The fastest way to share a moment!“ – und der Fähigkeit, längere Texte zu lesen.   

 

E-READ COST ist ein europäischer Forschungsverbund, der die Implikationen der Digitalisierung auf das Lesen erforscht und mehr oder weniger deutlich Alarm schlägt.[6] Während Rüdiger Wischenbart, der Moderator des Gesprächs, mehrmals nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaften für das Lesen fragte, antwortete Adriaan van der Weel von der Universität Leiden mit eher praxeologischen Verschiebungen. Adriaan van der Weel hat über Samuel Beckett promoviert, was zumindest einen Wink darauf gibt, dass er sich eher als Literaturwissenschaftler und Buchforscher, „book studies“, versteht.[7] Er sieht die Geschichte der „written communication“ als eine von „text technologies and their social effects“. Folgerichtig interessiert er sich in der Forschung für die Veränderungen bei der Verschiebung „from paper to digital screens on (1) reading and (2) publishing“.[8] Beispielsweise hält er auf Nachfrage das Schreiben mit der Hand weiterhin für eine entscheidende Praxis beim Lesenlernen.

 

Welche Anknüpfungspunkte gibt es zwischen Literatur und Neurologie? Die Neurowissenschaften stehen als bildgebende Verfahren nicht zuletzt seit Wolf Singers nach dem Literaturwissenschaftler Walter Höllerer benannten Vorlesung 2011 an der Technischen Universität Berlin hoch im Kurs.[9] Singers Vorlesung hatte den provokanten Titel Konflikte zwischen Intuition und neurobiologischer Evidenz. Er knüpfte dabei an die Phänomenologie von Edmund Husserl an. Die Pointe der hochdotierten Vorlesung vor 1.200 Hörer*innen lag darin, dass, verkürzt, die neurobiologischen Vorgänge im Gehirn an die Stelle einer philosophischen Intuition eines Ich treten. Das Subjekt, wie es sich selbst erzählt, wird durch neurobiologische Prozesse quasi ersetzt. Verkürzt, aber treffend: Literaturlesen wird formuliert als ein Prozess in neuronalen Netzen, die auf unterschiedliche Weise oder gar nicht ausgebildet sein können.

 

Neurobiologie und Psychophysiologie erklären heute vielleicht nicht das Lesen, können aber darauf hinweisen, wie unterschiedliche Lesepraktiken – Buch oder Screen, Blättern oder Wischen – die Lesefähigkeit ausbilden und verändern. Anezka Kuzmicova arbeitet als Post-Doc-Forscherin im Institut für Kultur und Ästhetik an der Universität Stockholm und hat bei Prof. Arthur Jacobs vom Dahlem Institute for Neuroimaging of Emotion an der Freien Universität Berlin psychophysiologische Forschungsmethoden gelernt. Lesen beginnt nach Kuzmicova mit dem Imaginieren dessen, was wir lesen. Wenn man einem Kind ein Buch vorliest, dann bilden sich Kompetenzen aus, weil das Kind sich das Vorgelesene ausmalt bzw. vorstellt. Das Lesenhören stellt Verknüpfungen her.

 

Welche Rolle spielt das Vorlesen im Kindes- und Jugendalter? In zunehmendem Maße wird Kindern nicht mehr vorgelesen, womit die Fähigkeit, Verknüpfungen in einem Satz ebenso wie zwischen einem ersten und zweiten Satz herzustellen, schwindet. Wahrscheinlich schwindet auch die Geduld der Kinder, wie früher eine Langspielplatte mit ein oder zwei Geschichten zu hören. Die Hörspiele auf Langspielplatten hatten in den 60er und 70er Jahren auch etwas Unheimliches. Arthur, der Träumer von James Krüss auf Langspielplatte war ja ein wenig unheimlich, weil es akustisch tatsächlich zu einer Eisenbahnkatastrophe kam. Das musste kind noch nicht einmal sehen, das konnte kind sich hörend denken, wie der Zug ungebremst in den Bahnhof fuhr. Oder war das alles anders?

Das Vorlesen wurde schon 1958 mit der Erstausgabe von Arthur, der Träumer der Schallplatte und Bertelsmann übergeben: „Ein Schallplatten-Bilderbuch, 12 Bll., durchgehend illustriert v. Ulrik Schramm, Schallplatte in Deckeltasche, Bertelsmann, Gütersloh 1958, 4°, Orig. Halbleinen, … schlecht gepresst (schlechtes Vinyl!). Ein Spiel von J. Krüss, Musik von Helmut Schmidt-Hagen, Regie: Benno Schurr.“ Vielleicht förderten das schlechte Vinyl und das Knistern, die Rauheit, gerade die Imagination. War das nicht ein Wirklichkeitseffekt? Heute knistert es nicht mehr. Und man kann sich gar nicht vorstellen, ob da wirklich einmal jemand in einem Studio vor einem Mikrophon stand. Anezka Kuzmicova jedenfalls betont im Kulturstadion, dass es um einen „building process“ beim Leseverstehen geht. Dieser Bildungsprozess, der das Lesen ermöglicht, kann sich psychophysiologisch oder neurobiologisch beobachten lassen oder nicht. Letztlich geht es um eine Verschränkung von Praktiken mit einem imaginären Verstehen.

 

Ausgegangen war Jens Nymand Christensen von der Frage, warum nicht alle Europäer lesen können. Das ist nicht zuletzt eine Frage an das Konzept der Demokratie und das von Europa. Lesen hat für Europa und die Europäische Union eine politische Relevanz. Lesen, müsste man sagen, macht mündig. Wer nicht lesen kann, wird ausgeschlossen. Lesen können bedeutet insofern Inklusion, einen Zugang zur Kultur als ein Cluster von Praktiken. Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bildete sich ein praxeologisches Verhaltensdesign heraus, das mit dem fortgeschrittenen Buchdruck und dem Medium des Kupferstichs beispielsweise in Jean Bernard Basedows Elementarwerke für die Jugend und ihre Freunde (1774) eng verknüpft wird, wie Anja Lemke in ihrem Vortrag Verhaltensdesign avant la lettre. Zum Zusammenhang von Potentialität und Einbildungskraft in ästhetischen Bildungsprogrammen entfaltet hat.[10]

 

Adriaan van der Weel sagt im Kulturstadion: „We were all brought up in a paper world.” Doch die Papierwelt wie die Holzmedien[11], mit denen bestimmte Praktiken verknüpft waren und sind, könnten noch nicht einmal das Problem sein. E-READ COST forscht offenbar interdisziplinär und multimethodologisch, was auf die Komplexität des Lesens als kulturelles und politisches Problem verweisen könnte. Christensen bringt zwar die „guys“ (?!) als Experten ins Gespräch, doch die methodologischen Ansätze zur Lösung bleiben unscharf. Es gibt Symptome für einen zunehmenden Analphabetismus oder allgemeiner eine Leseunfähigkeit nicht nur in Europa, sondern auch in einem bildungspolitisch so durchgetakteten Land wie die Volksrepublik China. Weil Kinder und Jugendliche lieber mit Pics und Emojis wischen und klicken, statt mit der Hand Schriftzeichen zu schreiben, verlieren sie die Fähigkeit, sich ausreichend Schriftzeichen anzueignen.

 

Das Problem der Leseunfähigkeit durch Digitalisierung könnte im Chinesischen und Japanischen weit größer sein, als in der Welt der Buchstaben. Van der Weel und Anezka Kuzmicova sprechen jedenfalls das grassierende Problem an, dass zunehmend Schriftzeichen, die wenigstens zum Lesen einer chinesischen oder japanischen Zeitung notwendig sind, vergessen werden. Es entsteht nicht nur eine Bildungsschere, vielmehr werden tradierte Kulturpraktiken wie das Schreiben der chinesischen Schriftzeichen mit Stift oder gar Pinsel und der Generierung von Sinn durch unterschiedliche Striche und Punkte nicht einmal mehr ansatzweise beherrscht. Die Experten halten indessen das Schreiben mit der Hand für eine wichtige cognitive Praxis, während selbst Lehrer fragen, warum sie an der Tortur festhalten sollen. Die Papier- und Tintenwelt stand bereits mit Friedrich Kittlers Aufschreibesysteme 1800/1900 (1985) und Grammophon Film Typewriter (1986) medientheoretisch auf der Probe.

 

Wer hat (noch) Angst vor der Schreibmaschine? Und wer hat überhaupt noch in der Schule gelernt, mit 10 Fingern an einer mechanischen Schreibmaschine von Adler aus Frankfurt am Main, Stadtteil Gallus, zu tippen? Von Hand schreiben schön und gut. Aber die Diskussion fing schon um 1900 mit der mechanischen Schreibmaschine an. Mit 10 Fingern tippen zu lernen, war Ende der 1970er Jahre eine noch viel größere Tortur, als mit der Hand schreiben zu lernen. Irgendwann ging es – die Tastatur? – dann in den Körper über. Der Tippende muss gar nicht mehr auf die Tastatur schauen. Fridtjof Küchemann zitierte in seinem Artikel Die Zukunft des Lesens am 22. März dieses Jahres in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Andriaan van der Weel damit, dass „die physische Verortung des Gelesenen“ das Erinnerungsvermögen begünstige. 

Wir verknüpfen bestimmte Textpassagen mit ihrer Position in einem konkreten Buch. Wenn wir beim Lesen scrollen oder auf demselben Gerät verschiedene Texte läsen, werde das verhindert.[12]

 

Wir sind längst bei den Spracherkennungsprogrammen Siri und Cortana angekommen. Danach haben wird uns immer gesehnt. Oder geht damit ein Sprachverlust einher? Mit der Hand zu schreiben oder mit 10, also eigentlich eher mit 8 Fingern zu tippen, ist heute eine fast antiquierte Weise der Textproduktion. Sprechen mit Spracherkennung und Voicemail statt schreiben oder auch nur verkürzt tippen. Digital ist eigentlich weiter als Screens, auf denen man noch lesen müsste. Und wenn es langweilig wird beim Autofahren, erzählt Siri gar einen Witz. Seit 2014 wird von „mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler aus mehr als dreißig Ländern“ das Lesen im „Zeitalter der Digitalisierung“ erforscht.[13] Doch plötzlich kann jedes Smartphone und auch der Messenger bei Facebook per Voicemail mit uns sprechen. Mein Neffe sagt mir, dass alle nur noch Voicemail machen und gar nicht mehr Nachrichten und Mails tippen. Voicemail können auch Erstklässler. Eine Welt aus Pics und Voicemails rollt da gerade heran, während im Kulturstadion über die Papierwelt und „Words On Screen“, wie Küchemann schreibt, gesprochen wird. Der Titel des Buches von Naomi S. Baron, 2015 bei Oxford University Press erschienen, heißt allerdings: Words Onscreen: The Fate of Reading in a Digital World.

Müssen wir noch lesen können? – Wahrscheinlich wird es immer ein Problem mit dem Lesen geben, wenn der feine Unterschied zwischen „Words On Screen“ und „Words Onscreen“ nicht berücksichtigt wird. „Worte auf Bildschirm“ vereinfacht nämlich die trickreiche Zusammenschreibung mit der graphischen Anspielung auf das Internet mit online.[14] Selbst in, wenn man so will, akademischen Kreisen werden Differenzen und Mehrdeutigkeiten nicht immer gelesen. Worte erschließen sich nur aus einem Kontext und dem Potential der Kontextualisierung. So ist es auch mit onscreen. Das soll mit neuronalen Netzen zu tun haben? Das Dilemma des Digitalen lässt sich vielleicht einmal so formulieren: Nie war mehr Wissen schneller zugänglich und lesbar. Doch schon heute verbreiten sich mit Spracherkennungs- und Sprachübertragungsprogrammen kulturelle Praktiken, die Schreiben und Lesen nahezu ersetzen. Ich muss nur noch sprechen können. Doch geht dies nicht mit einem Verlust an Sprache, Erinnerung und Differenzierung einher?

Der Sprach-, Erinnerungs- und Differenzierungsverlust zeichnet sich politisch für die Demokratie bereits ab. Die Vereinfachung, Typisierung und gar Stereotypisierung z.B. des Flüchtlings schreitet wenigstens mit Donald Trumps autokratischer Twitterherrschaft in den USA voran. Typologien kehren bei den Identitären wieder: „Erik Lehnert/Wiggo Mann: Das andere Deutschland. Neun Typen“![15] Trumps Followers sehen nicht das geringste Problem im Twittersprech und wundern sich, wie kompliziert Senatoren und Ex-Präsidenten sprechen. Der Differenz- und Differenzierungsverlust hat auch Sebastian Kurz als wahrscheinlich jüngsten Regierungschef seit dem chinesischen Kindkaiser Puyi in einer Demokratie an die Macht gespült. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht! Das ist nicht zuletzt die herrschende Ideologie der Neuen Rechten. Im Kulturstadion auf der Frankfurter Buchmesse wurde vom stellv. Direktor für „Education and Culture“ der Europäischen Kommission mit Adriaan van der Weel und Anezka Kuzmicova ein Problem angesprochen, das nicht nur die Frage aufwirft, wie Lesen funktioniert. Vielmehr wurde mit der Frage nach dem Lesen und der Lesefähigkeit von Kindern ein entschiedenes Kulturproblem der Gegenwart und Zukunft zur Sprache gebracht.

 

Gibt es Strategien gegen die neue Leseunfähigkeit? Wie kann das Lesen eingeübt werden? Adriaan van der Weel sagt: „Each teaching is a game.“  Deshalb fordert er dazu auf, die „fascination of gaming“ zu nutzen. Im Spiel wird die Möglichkeit der Imagination angesprochen. Während in den 70er Jahren das Tippen durchaus noch mit einem Taktstock des Lehrers eingeübt wurde, bricht nun das Zeitalter des Spiels als kulturelle Praxis des Lesenlernens an. Gaming verspricht eine Lösung. Wie diese neuartigen Spiele aussehen könnten oder sollten, führt van der Weel im Kulturstadion nicht aus. Geht es um Wettbewerbe der Einzelnen oder Teamplayer? Vielleicht funktioniert „teaching through games“ eher dadurch, dass stufenweise Anreize geschaffen werden, um den nächsten Spielerlevel zu erreichen. Spiele funktionieren meistens über Modi der Wiederholung und Belohnung in einem automatisierten Programm. Faszination ist, wie der Kulturwissenschaftler Thomas Macho sagt, immer beides, verlockend und erschreckend. Vielleicht soll das moralinsaure Unterrichten auch nur lexikalisch zum genüsslichen Spielen verschoben werden. 

 

Torsten Flüh

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[1] Z.B. Steffen Dobbert: „Heute geht er häufig zu Lesungen… Die Leute fragen dann, "Herr Hitzlsperger, was machen Sie denn hier?" Er lacht dann, sagt, dass es doch ganz normal sei, sich in einer Buchhandlung für Bücher zu interessieren. "Na klar, stimmt!", will man darauf antworten. Aber ist das so? Ein Profifußballer, der sein eigener Pressesprecher ist, der keinen flachen Fernseher besitzt, Daniel Kehlmanns Ruhm und Schweigeminute von Siegfried Lenz aus dem Stegreif kritisiert?“ Steffen Dobbert: Hoeneß ließ er schreien. In: Die Zeit 13. Februar 2009, 14:11 Uhr.

[2] Philipp Lahm war schon als Aktiver Lesebotschafter für die Stiftung Lesen, weil „oft männliche Lesevorbilder“ fehlten. Siehe: Pressemitteilung Stiftung Lesen vom 04.07.2002.

[4] Pressemitteilung Stiftung Lesen … [wie Anm. 2]

[6] E-READ COST: What is E-READ? http://ereadcost.eu

[8] Ebenda.

[9] Siehe u.a. Torsten Flüh: Über die Verabschiedung des Ichs in die neuronalen Netze. Wolf Singer Walter-Höllerer-Vorlesung 2011 in der Technischen Universität Berlin. In: NIGHT OUT @ BERLIN 19. Juni 2011 23:24.

[10] Siehe Torsten Flüh: Von der Design-Wende. Zur Tagung Verhaltensdesign im Hybrid Lab. In: NIGHT OUT @ BERLIN 14. Dezember 2016 21:12.

[11] Zu Holzmedien siehe auch Torsten Flüh: Ordnung hacken. Zum Kultur-Hackathon {COD1NG DA V1NC1}. In: NIGHT OUT @ BERLIN 28. April 2015 16:32.

[12] Fridtjof Küchemann: Die Zukunft des Lesens. Gedruckt oder Digital? In: Frankfurter Allegmeine Zeitung 22.03.2017 – 13:07, S. 2.

[13] Ebenda S. 1.

[14] Siehe auch “Description”: “In her tour through the new world of eReading, Baron weights the value of reading physical print versus online text, including the question of what long-standing benefits of reading might be lost if we go overwhelmingly digital. She also probes how the internet is shifting reading from being a solitary experience to a social one,...” Naomi S. Baron: Words Onscreen. The Fate of Reading in a Digital World. Oxford: Oxford University Press, 2014.

[15] Vgl. auch: Torsten Flüh: Verstörende Revolutionen. Diversität und Sprachpolitik von extremistischen Verlagen auf der Frankfurter Buchmesse 2017. In: NIGHT OUT @ BERLIN 18. Oktober 2017 18:17.