Das Trauma des Öffentlichen im Privaten - Zeruya Shalev und Maria Schrader lesen aus Schmerz beim Literatursommer in Kiel

Israel – Lesen – Trauma 

 

Das Trauma des Öffentlichen im Privaten 

Zeruya Shalev und Maria Schrader lesen aus Schmerz beim Literatursommer in Kiel 

 

Der Literatursommer 2018 in Schleswig-Holstein hat Literatur aus und über Israel zum verknüpfenden Thema der Lesungen zwischen Brunsbüttel und Apenrade, Heide und Kappeln, Lübeck und Kiel gemacht. Seit 1996 veranstaltet das Literaturhaus in Kiel die Reihe mit einem wechselnden Länderschwerpunkt im nördlichsten Bundesland und hinüber bis ins dänische Apenrade, wo es eine Deutsche Zentralbibliothek gibt. 30 Autorenlesungen vernetzen mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein im Kieler Schwanenweg die Leser*innen zwischen Nord- und Ostsee, Elbe und über das Grenzflüsschen Krusau bis an die Apenrader Förde. Am 3. August zog das Literaturhaus mit seinem Veranstaltungsraum in den nahen, größeren Vortragsaal der Kunsthalle Kiel für die Lesung aus Zeruya Shalevs Roman Schmerz.

 

Die Schauspielerin, Regisseurin und Sprecherin Maria Schrader las Passagen aus Zeruya Shalevs Roman, den sie für den HörbuchHHamburg Verlag eingelesen hat. Eröffnet wurde der Abend mit einer kurzen Lesung der ersten Seite des Romans von Zeruya Shalev in Hebräisch, was gewiss für die meisten Zuhörer*innen einen geheimnisvollen Zauber hatte. Shalev las in einem Erzählton, der gewiss angebracht ist. Doch als Maria Schrader die gleiche Passage auf Deutsch las, passierte doch so ungleich viel mehr, was nicht nur am Verständnis durch die Sprache liegt. Maria Schrader gehört wie Eva Matthes zu den, wie man sagt, ausdrucksstärksten Sprecherinnen von Hörbüchern. Die Sprecherin liest nicht nur mit ihrer Stimme, sie ist im Glücksfall auch in den komplexen Lese- und Interpretationsprozess eingebunden.

 

Ein Buch vorgelesen zu bekommen von einer Sprecher*in, setzt noch einmal einen anderes Leseverständnis als Prozess in Gang. Einerseits kann die Sprecher*in einem erzählenden Ich, einer auktorialen Erzähler*in in ihrer subjektiven Wahrnehmung eine Stimme verleihen. Andererseits kann die Sprecher*in sich stark von der Perspektive der Erzähler*in durch Tonfall und Stimmfärbung, Timbre distanzieren und zugleich nah sein. Das Hörbuch kommt eigentlich aus der Sendegeschichte des Radios und seinen Vorlesereihen wie Am Morgen vorgelesen mit Gert Westphal. Gert Westphal wurde zum „König der Vorleser“ erklärt und brachte mit dunkler werdender Stimme Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg in die Aufwachphase. Jede Formulierung Fotanes wurde ein bedeutendes Versprechen. Die Haltung der Erzähler*in im Roman Schmerz, ist anders, auffallend distanziert, während ein Erinnerungsstrom erzählt wird, der wörtliche und indirekte Rede nicht genau abgrenzt. Die vermeintliche Normalität kann durch eine Frage abrupt unterbrochen werden. 

Doch dann hat Micki sie gefragt, weißt du, welches Datum heute ist, als handle es sich um einen Geburtstag oder einen Hochzeitstag, und sie strengte ihr Gedächtnis an. Sie haben im Winter geheiratet, sich im Winter davor kennengelernt, die Kinder sind im Winter geboren.[1]

 

Die beiläufig gestellte Frage, die sogleich mit dem Privaten eines Geburts- oder Hochzeitstages in Verbindung gebracht wird, erinnert an einen Schmerz, der auf fatale Weise individuell und öffentlich, politisch ist. Schmerz ist ein Trauma-Roman, der in gewisser Weise fulminant, doch diskret einsetzt. Das stellt Ansprüche an die Sprecherin, die Maria Schrader klug zu treffen vermag. Sie phrasiert die komplexen, fließenden Satzkonstruktionen mit einer warmen Stimme. Die Schreibweise, die bei Fontane z. B. mit dem Gewicht der historischen Bedeutung strukturiert wird, erfordert für Schmerz einen anderen als den tragenden Tonfall Gert Westphals. Und auch im Unterschied zur vielleicht dramatischsten und nuancenreichsten Vorleserin Eva Mattes, da gibt es ein vielstimmiges Theater beim Vorlesen, kann Maria Schrader einen vielschichtigen Erzählfluss in Gang setzen.  

… Nichts wirklich Wichtiges hat sich in ihrem Leben im Sommer ereignet, obwohl in einem so langen Sommer so viel passieren kann, und Micki senkte den Blick, deutete auf ihre Hüfte, die seit damals breiter geworden ist, und plötzlich war der Schmerz wieder da, und sie erinnerte sich. 

         Oder erinnerte sie sich zuerst, und dann kam der Schmerz? Sie hat ihn nie vergessen, deshalb war es keine Erinnerung, sondern das absolute Dasein in dieser brennenden Minute, der Bruch, der immer klarer wurde …[2]    

 

An der Geschichte von Iris wird mit der Eröffnungssequenz des Romans von Anfang an klar, wie sehr die Lebenswirklichkeit des Staates Israel in ihr Leben hineinspielt. Iris‘ Körper und ihre Psyche sind zutiefst durch einen Selbstmordattentäter verletzt worden. Man darf es durchaus eine erzählerische Konstruktion nennen, dass Mickis „Blick […] auf ihre Hüfte“ deutete und damit auf den Unterleib auch als Ort des Geschlechts und der Geschlechtlichkeit weist. Zeruya Shalev spricht mit Sabine Kray in der Kieler Kunsthalle ausführlich und sehr persönlich über ihren Schreibprozess als erfahrene, doch ebenso emotional mit ihrer Romanfigur verbundene Schriftstellerin. Das Schreiben ist für sie ein derart emotionaler Prozess, dass sie eines Tags über Iris geweint habe, als ihre Tochter von der Schule nach Hause gekommen sei. Zwar entspann sich mit der Tochter ein ebenso witziger wie verständnisvoller Wortwechsel über das Schreiben, aber der Wink auf die Emotionen gibt auch einen Hinweis darauf, wie wirklich und aufwühlend das erfundene Gefühlsleben von Iris für die Autorin ist.

 

Das Gefühlsleben der Romanfigur Iris wird nicht nur durch das Trauma, durch die körperliche wie psychische Verletzung als Privatperson im öffentlichen Raum bestimmt. – Vielleicht fallen beim Lesen und Vorlesen in unterschiedlichen Tempi und Sequenzierungen diese Verkettungen erst auf, wenn man unterbricht und Fragen an den Text stellt. Es gibt ja durchaus Leser*innen, denen das Vorlesen zu schnell geht. – Der Schmerz wird auch mit einer Liebesgeschichte aus der Jugend und den daraus entstandenen Verletzungen verwoben. Der Schmerz, der plötzlich zurückkehrt, hat mehr als eine Ursache. Körper und Psyche lassen sich nicht trennen. Doch in Israel wird von Zeruya Shalev das Verhältnis von Trauma und Öffentlichkeit auf eine ganz eigene Weise erzählt. Sie kritisiert den Staat Israel nicht offen. Doch sie macht Problematiken aus einem personalisierten Erleben lesbar. Das politische Attentat durchwühlt die Privatsphäre und die Frage danach, was passiert wäre wenn nicht Iris den Bus mit dem Attentäter hätte überholen wollen. 

Es ist seltsam, sagt sie, so etwas ist nie zuvor und nie danach passiert, jedenfalls nicht um diese Uhrzeit, und er sagt, also, es reicht, Iris, komm, wir wollen doch nicht diese Wunde aufreißen, du weißt, wie sehr mich das quält.[3]

 

Das Trauma wird mit anderen Wunden verknüpft. Es gibt keine einfachen Antworten. Vielmehr stellt die Verletzung durch den Selbstmordattentäter die quälende Sinnfrage. Das Trauma lässt sich nicht einfach beseitigen oder verstehen. Vielmehr dehnt es sich aus bis in die feinsten persönlichen Netze. Es hat diesen politischen Selbstmordanschlag gegeben, der schwere körperliche Verwundungen verursacht hat, doch es gibt auch die Verwundung einer enttäuschten Liebe aus der Jugend, die immer wieder aufbricht und das beunruhigende Gefühl verursacht, ein Leben verpasst zu haben. Stattdessen hat sich Iris ihr Leben als Frau und Mutter mit Micki selbst verpasst und verpassen lassen. Lässt sich ein Trauma heilen? Es meldet sich über einen schwer lokalisierbaren Schmerz besonders in der Sexualität. 

Und er faucht, bestimmt nicht viel, ein bisschen Liebe, ein bisschen Wärme, damit ich spüre, dass ich eine Frau zu Hause habe. Und sie sagt, ich habe genug von deinem Selbstmitleid, es geht jetzt nicht um dich, sondern um mich, ich habe schreckliche Schmerzen, und du willst mir Sex vorschlagen? Warum kann ich nicht ein bisschen Empathie ohne Sex bekommen?[4]     

 

Gibt es ein Recht auf einen persönlichen Schmerz? Schmerz kann durchaus als ein Frauenbuch, eine Frauengeschichte gelesen werden, die der Roman auch ist. Doch wenn man ein wenig genauer liest, dann geht es mit Schmerz um geschlechterübergreifende Fragen. Der Schmerz wird durchaus auf mehreren Ebenen verhandelt. Geschlechterfragen wie Mann und Frau, Alter und Beruf, Sexualität und Begehren sind nur einige Ebenen. Was lässt sich vom Schmerz wissen? Das Expertenwissen durch den Schmerzdoktor oder Schmerzspezialisten Doktor Rosen, der sich als der Geliebte aus der Jugend entpuppt und damit so etwas wie ein erster Schmerzverursacher ist, erweist sich letztlich als ambivalent. Wird der Schmerz der Schmerzkranken nicht abgesprochen, wenn er sich als „Schutzmechanismus“ erklären lässt? 

Es stellt sich also heraus, dass die Schmerzen nur ein Schutzmechanismus sind, sagt Micki zu ihr, als sie die Hangstraße hinauffahren. Das Nervensystem produziert die Schmerzen, um bekanntzugeben, dass im Gewebe etwas nicht in Ordnung ist, und wenn dieser Schutzmechanismus verletzt ist, ist er wie ein Rauchmelder, der nicht aufhört zu piepen, selbst wenn das Feuer bereits gelöscht ist. Ist dir das klar? Das ist wirklich spannend![5]

 

Um den Schmerz ranken sich die Erzählungen und Erklärungsmodelle, die den Schmerz selbst nicht abschalten können. Vielmehr, und darauf geht Shalev weniger ein, können dann Schmerzmedikamente gegen Entzündungen im Körper die Wahrnehmung derart beeinträchtigen, dass man sich selbst durch Nebenwirkungen nicht wiedererkennt. Das Wissen vom Schmerz als „Diagnose“ beseitigt den Schmerz selbst dann nicht, wenn sie Micki in eine leichte Euphorie versetzt. Doch Mickis ihrerseits fast schon verletzende Euphorie über das physiologische Wissen eines „verletzte(n) Nerv(s)“ – „heilt, wird wieder lebendig, wacht auf und fängt an, Beschwerden zu machen“ – als „posttraumatische Schmerzen“ beschreibt, aber behebt nicht den Schmerz. Dabei war es bereits 1920 Sigmund Freud, der in seinem psychoanalytischen Buch Jenseits des Lustprinzips auf ein neuartiges Krankheitsbild nach dem 1. Weltkrieg verwies. 

Nach schweren mechanischen Erschütterungen, Eisenbahnzusammen­stößen und anderen, mit Lebensgefahr verbundenen Unfällen ist seit langem ein Zustand beschrieben worden, dem dann der Name »traumatische Neurose« verblieben ist. Der schreckliche, eben jetzt abgelaufene Krieg hat eine große Anzahl solcher Erkrankungen entstehen lassen und wenigstens der Versuchung ein Ende gesetzt, sie auf organische Schädigung des Nervensystems durch Einwirkung mechanischer Gewalt zurückzuführen.[6]  

 

Die „organische Schädigung des Nervensystems“ war für Freud schon vor nicht ganz einhundert Jahren keine (alleinige) Ursache der traumatischen Neurose und des Schmerzes. Die Wiederkehr des Schmerzes, wie sie von Zeruya Shalev im Roman mehr durchgearbeitet als geheilt wird, beschäftigte bereits Freud soweit, dass er schließlich zu bedenken gibt, „daß das künstlerische Spielen und Nachahmen der Erwachsenen, das zum Unterschied vom Verhalten des Kindes auf die Person des Zuschauers zielt, diesem die schmerzlichsten Eindrücke zum Beispiel in der Tragödie nicht erspart und doch von ihm als hoher Genuß empfunden werden kann“.[7] Anders gesagt, der psychische Schmerz kann durch die künstlerische, literarische Schreibverarbeitung in einen „hohe(n) Genuß“ verwandelt werden. Iris‘ plötzlich durch eine Frage einsetzender Schmerz lässt sich durchaus als ein psycholinguistischer formulieren. Er wird durch die Sprache und das imaginäre Erinnern ausgelöst. Iris genießt durchaus den „Ehebruch“, der vermeintlich das Jugendtrauma heilen soll und es dennoch verpasst. Shalev erzählt von diesem schmerzhaften Paradox.

 

Ist es doch wiederum die israelische Gesellschaft, die Lebenswirklichkeit in Israel, die den „Ehebruch“ in seiner Intimität zugleich legitimiert und entwertet, weil „der Prozentsatz“ sowieso gestiegen ist. Das Trauma-Schicksal der Romanfigur Iris betrifft auf ebenso beruhigende wie beunruhigende Weise nicht nur sie selbst, wenn sie ihrer Freundin Schula von ihrem „Ehebruch“ erzählen will und beim Staubsaugen vor sich hinplappert. Die Verletzungen der israelischen Zivilgesellschaft durch Bomben, Selbstmordattentäter, Straf- und Abwehraktionen sowie Gesetze und Verordnungen lassen sich vermeintlich in den „Prozentsatz der Ehebrüche“ verlängern oder transformieren. Zumindest im beiläufigen Radiohören oder vom Hörensagen schleicht sich ein Wissen über eine Korrelation von staatlichem Ausnahmezustand und Ehebruch ins Denken.

Was für ein Zufall, wiederholt sie plötzlich, ich habe gehört, dass sich in Israel der Prozentsatz der Ehebrüche in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat, interessant, woher man das weiß, schließlich halten die Leute ihre Ehebrüche geheim, und sofort übertönt der Staubsauger mit seinem Lärm alles, was gesagt oder nicht gesagt wird, und Iris schließt die Augen.[8]   

 

Schmerz erzählt auf mehrdeutige Weise vom verpassten Leben, von der verpassten Liebe einer Frau. Die Erzählungen kreisen, wie Zeruya Shalev im Gespräch mit Sabine Kray sagt, um die Frage: Warum sind die Menschen so besessen von der Vergangenheit? – Sie hat unweigerlich mit dem Trauma, den Wunden zu tun, die in unterschiedlicher Intensität plötzlich und unkalkulierbar entstanden sind. Eigentlich ist Iris gar nicht so unzufrieden mit ihrem Leben. Doch Eitans Beendigung der Beziehung nach dem Tod seiner Mutter, weil er sich unfrei fühlte, gibt Iris das Gefühl ein Leben an seiner Seite verpasst, um stattdessen eines mit Micki verpasst bekommen zu haben, in einem Staat, der beispielsweise über die allgemeine Wehrpflicht ständig in die Familie eingreift, mit der Bedrohung dadurch die Kinder wirklich zu verlieren, ist der Staat als Bedrohung ständig präsent. Denn in gewisser Weise befindet sich der Staat Israel in einem permanenten Ausnahmezustand, weil es sich ständig in einer Stärke präsentieren muss. Das führt zu einem schwierigen, emotionalen Populismus, wie ihn Eva Illouz in ihrer Mosse-Lecture 2016 kritisiert hat.

So viele Schmerzen und Empfindlichkeiten, Wunden und Narben entstehen aus der Nähe. Aber es ist auch sinnlos, sich jetzt bei ihm zu beklagen, und sie ist, in ihrer neuen Position als Ehebrecherin, die Letzte, die das Recht hat, ihm Vorwürfe zu machen. Auch wenn er es noch nicht weiß, so weiß sie es doch, und ihr Handy weiß es, denn in diesem Moment klingelt es, er sucht sie, Schmerz, und sie wird natürlich nicht antworten, …[9]  

 

Berührend ist auch die Sequenz vom Besuch bei der dementen Mutter. Von der Demenz der Mutter, die ihre Tochter nicht erkennt oder nicht erkennen will, geht für Iris eine tiefgreifende Verunsicherung aus. Gleichzeitig wird für die Mutter in ihrer Demenz ein Vergessen der Vergangenheit zuteil, die dennoch keine Zukunft verspricht. Iris' Wunsch, sich mit ihrer Mutter über Eitan zu unterhalten, schlägt auf ganzer Linie fehl. Die Mutter als Verbündete und Vertrauensperson gibt es nicht mehr. Die Mutter wird unheimlich, weil sich nicht mehr klar unterscheiden lässt, was sie im Delirium verwechselt oder erfindet und was sie mehr weiß als die Tochter. Die Demenz äußert sich nicht einfach als Vergessen, vielmehr stellt sie die Wahrnehmung und das Wissen der Tochter auf traumatische Weise auf die Probe. 

Es reicht Mama, bricht es aus ihr heraus, ich bin es, ich bin nicht umgekommen, ich war nur verletzt, und jetzt geht es mir gut, ich bin es, Iris, deine Tochter, erkenne mich endlich, und ihre Mutter, die immer vor jedem Gefühlsausbruch zurückweicht, schaut sie kühl an und sagt, genug! Warum regst du dich so auf, das beweist nur, dass du nicht meine Iris bist, so habe ich sie nicht erzogen.[10]

 

Es taucht am Horizont des Romans das mythologisch, platonische Ideal des Kugelmenschen auf. Der Kugelmensch ist eine ursprüngliche Ganzheitsphantasie. Sozusagen der Mensch als runde Sache. Doch der Mensch ist keine heile oder runde Sache. Vielmehr geht es immer um eine ursprüngliche Trennung, Spaltung oder Verwundung. Vielleicht ist der Mensch wie Iris am meisten sie selbst in ihren Verwundungen, die sinnlos nur ihr passiert sind und passieren konnten. Der Ehebruch mit der Jugendliebe Eitan führt nicht zur Heilung und Scheidung. Vielmehr wurde „die Vergangenheit (…) geöffnet“, was Iris als „Chance“ begreift, „die erstickende, süße und verfluchte Höhle der Vergangenheit zu öffnen und ihr Inneres mit der Sonne, dem Wind und den Stimmen der Gegenwart zu füllen“.[11] Das Literatursommer-Publikum in der Kieler Kunsthalle, war jedenfalls von den Leseausschnitten derart angeregt worden, dass Zeruya Shalev eifrig signieren musste. 

 

Torsten Flüh

  

Literatursommer 2018

in Schleswig-Holstein 

bis 25. August 2018 

 

Zeruya Shalev 

Schmerz 

Roman 

€ 10,- 

 

Zeruya Shalev

Schmerz

gelesen von Maria Schrader

€ 14,99

_______________________________________ 



[1] Zeruya Shalev: Schmerz. Berlin: Berlin Verlag, 2016, S. 7.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda S. 38.

[4] Ebenda S. 39.

[5] Ebenda S. 45.

[6] Sigmund Freud: Traumatische Neurose und Kinderspiel als Wiederholung. In: ders.: Jenseits des Lustprinzips. (Dritte, durchgesehene Auflage) Leipzig: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 1923, S. 9. (Archive.org)

[7] Ebenda S. 18.

[8] Zeruya Shalev: Schmerz [wie Anm. 1] S. 155.

[9] Ebenda S. 248.

[10] Ebenda S. 58.

[11] Ebenda S. 379.