Aufwühlende Bilder vom Zuschauen und Mitmachen - Nachbetrachtung zur Ausstellung Einige waren Nachbarn im Paul-Löbe-Haus mit Leichter Sprache

Holocaust – Vereinfachung – Ausstellung 

 

Aufwühlende Bilder vom Zuschauen und Mitmachen 

Nachbetrachtung zur Ausstellung Einige waren Nachbarn im Paul-Löbe-Haus mit Leichter Sprache 

 

Die ursprünglich am United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC entwickelte Ausstellung Einige waren Nachbarn: – in Leichter Sprache – Wie haben sich Menschen während des Holocaust verhalten? wurde im Februar für 22 Tage im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages gezeigt. Die Direktorin des Museums, Sara J. Bloomfield, kam zur Einführung nach Berlin und der Präsident des Deutschen Bundestages, Dr. Wolfgang Schäuble, begrüßte die Wanderausstellung am Morgen des 31. Januar im Foyer des Paul-Löbe-Hauses, dessen Architektur wie „ein kraftvoller „Motor der Demokratie““ wirken soll. Abgeordnete, Gäste und Besucher*innen des Deutschen Bundestages durchquere den hellen Platz von der Westseite des Gebäudes neben dem Reichstagsgebäude.

 

Der Berichterstatter erhielt eine Einladung zu einer Führung für Mitglieder des Verbandes der Ausstellungsgestalter e.V., kurz VerA. Denn das Paul-Löbe-Haus als „Motor der Demokratie“ bietet eine zentrale Ausstellungsfläche. Die Ausstellung Einige waren Nachbarn war insofern nicht nur eine über den Holocaust, vielmehr bot sie in ihrer Konzeption zugleich einen Einblick in Ausstellungsgestaltung und -vermittlung. Die Wanderausstellung will mit der seit 2014 im Deutschen Bundestag geförderten Leichten Sprache Menschen einbeziehen, die durch Analphabetismus und kognitive Behinderungen häufig marginalisiert oder gar ausgeschlossen werden. Da es mit der überschaubaren Ausstellung von historischen Fotos insbesondere um visuelle Wahrnehmung im politischen Kontext geht, bot und bietet diese einen exemplarischen Ansatz für Fragen der Teilhabe.

 

Nach vorheriger Anmeldung mit Namen, und Geburtsdatum sowie unter Angabe von Datum und Uhrzeit des Besuchs einer Ausstellung im Deutschen Bundestag kann jeder die Ausstellungen in den Gebäuden wie dem Reichstagsgebäude oder dem Paul-Löbe-Haus besuchen. Für die speziell als Wanderausstellung gestaltete, bildbasierte Ausstellung wurden Plakate mit kurzen, doch relativ komplexen Texten entworfen. Zusätzlich hatte das Referat für Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Bundestages „Informationen in Leichter Sprache“ drucken lassen. Was ist Leichte Sprache? Inwiefern korrespondiert die Leichte Sprache mit dem Gesamtkonzept der Ausstellung? Welche gestalterischen Mittel werden eingesetzt? Mit Jonas Togler als Mitglied von VerA (Verband der Ausstellungsgestalter e.V.) und Mitarbeiter des Ausstellungstechnikanbieters molitor in Berlin sowie Klaus Müller als deutscher Repräsentant von USHMM gab es einen fachkundigen Einblick.

 

Schulklassen, Mitarbeiter*innen des Deutschen Bundestages, Abgeordnete, internationale und nationale Gäste, Interessenvertreter*innen und Besuchergruppen gehen durch das Atrium des Paul-Löbe-Hauses meist zielorientiert zu einem abgestimmten Termin. Nach der Abgabe des Personalausweises müssen die Besucher*innen einen Hausausweis gut sichtbar tragen, der den Zugang zu weiteren Bereichen regelt. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“, lautet der 1. Satz im 2. Absatz des Artikel 20 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Der transparente Raum mit der östlichen Ausrichtung zur Spree gleich neben und durch Gänge verbunden mit dem Reichstagsgebäude, in dem das Parlament seinen Sitz hat, wird er zu einem ebenso unspektakulären wie repräsentativen Platz der freiheitlich demokratischen Grundordnung, kurz fdGO, der Bundesrepublik Deutschland. Hier soll praktiziert werden, was die fdGO ausmacht.  

 

Das Paul-Löbe-Haus könnte man einen Vorhof des Parlaments nennen. Was im Bundestag öffentlich gesprochen und diskutiert wird, ist in irgendeiner Form der Gespräche und Abstimmungen durch das Paul-Löbe-Haus zirkuliert. Für die Besucher*innen wie dem Volk lassen sich diese Prozesse kaum darstellen. Denn die Transparenz, der die Architektur von Stephan Braunfels verpflichtet ist, lässt sich zwar durch Protokolle etc. nachlesen. Aber sie lässt sich schwer darstellen, wenn man nicht allein die vorherrschende Glasarchitektur für Transparenz hält. Transparenz wird allererst durch Leseprozesse hergestellt. Und genau an dieser Schnittstelle der Transparenz von  Sprache, Sichtbarkeit und Lesen situiert sich die Ausstellung, die in nicht leichter Sprache heißt: Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust.

 

Die Einzigartigkeit des Holocausts in der Geschichte der Menschheit kann nicht bestritten werden. Doch die „Bilder“, ein Film und die Zeitzeugeninterviews der Ausstellung sollen nicht nur an den Holocaust erinnern, sie sollen auch gemeinschaftliche Handlungsweisen von und während Genoziden deutlich machen. Die Ausstellung soll einfache Fragen aufwerfen: „Wie war der Holocaust möglich?“ Sie soll in einer leicht zugänglichen Art Besucher*innen mit Handlungsweisen konfrontieren, die meistens in Genoziden wirksam werden und eine gewisse Eigendynamik entwickeln. „Warum haben nicht mehr Menschen geholfen?“ Die neun Stellelemente mit 22 Grafiktafeln sowie einer Videostation mit Kopfhörern sollen keine zu hohen Anforderungen an die Aufmerksamkeit stellen. Ausstellungsdesign und -technik überschneiden sich mit Ausstellungsdidaktik. Insofern hat die Wanderausstellung einen gewissen Modellcharakter zwischen Information und praktischer Anwendung. Die Elemente müssen stabil und transportabel, zugleich für unterschiedliche Zielgruppen in einer diversen Demokratie zugänglich sein.

 

Das Format der Ausstellung als Kombination aus Bild- und Textelementen überdenkt hier nicht zuletzt Bildungskonzepte in Bezug auf die Demokratie. Während Ausstellungen häufig eine staatlich geregelte Schulbildung in Text und Bild voraussetzen, geht es nun darum, den Zugang für eine statistisch erfasste Bevölkerungsgruppe in der Demokratie zu ermöglichen. Seit August 2014 erscheint die Wochenzeitung „Das Parlament“ mit einer Beilage in Leichter Sprache, weil „(j)eder siebte Deutsche zwischen 16 und 64 Jahren … nur einzelne Wörter oder einzelne Sätze lesen und deren Inhalt erfassen“ kann.[1] Das ist ein markantes Problem für die Staatsform der Demokratie, die auf mündige Teilnahme an politischen Entscheidungen ihrer Bürger angewiesen ist. Deshalb gibt es nun eine eigene Startseite Leichte Sprache auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages. Doch was ist Leichte Sprache, die durch Großschreibung als Name und Begriff markiert wird?              

Seit 2016 hat Inclusion Europe, die „Europäische Organisation für Menschen mit intellektueller Behinderung und ihre Familien“, ein eigenes Logo für „leichtes Lesen“, das auch auf das schmale Heft „Informationen in Leichter Sprache“ gedruckt ist. Auf der Frankfurter Buchmesse 2017 hatten „E-Read-Experten“ auf einen neuen Analphabetismus durch Digitalisierung aufmerksam gemacht.[2] Mangelndes oder eingeschränktes Leseverstehen hat heute ebenso neuartige wie vielfältige Ursachen und kann nach Andreas Baumert jeden treffen. Auch „den Gebildeten, kann es schon morgen erwischen, Hirnschlag, Unfall in der Wohnung, am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr; irgendein Geschehen, eine Erkrankung rauben dem heute noch Gesunden das Können, einen geschriebenen Text auf dem gewohnten Niveau zu verstehen.“[3] Leichte Sprache soll also ein „leichtes Lesen“ ermöglichen, das Teilhabe durch verstehen ermöglicht. Die Redaktion der Wochenzeitung Das Parlament nennt das eine „Kunst“. 

Die Kunst besteht darin, komplexe Zusammenhänge auf den jeweiligen Kern zu reduzieren. Dabei muss allerdings der Sinn der Aussage erhalten bleiben. Die Erklärung darf also nicht so verkürzt werden, dass die Vereinfachung die Botschaft manipuliert.[4]

 

Nicht nur das. Lesen ist eine vertrackte Angelegenheit, um es einmal so zu formulieren. Es ist nicht nur komplex, vielmehr noch subjektiv. Beispielsweise kann ein Text in Leichter Sprache, eine/n Leser*in unangenehm berühren, wenn sie/er ihn für geradezu beleidigend einfach empfindet. Ein Leserbrief in einer Tageszeitung, der ironisch formuliert ist, kann zu heftigem Protest führen, wenn die Ironie nicht erkannt wird. Und natürlich ist für Sprachschüler die oft ironische Schreibe bzw. Schreibweise des SPIEGEL eine extreme Herausforderung an das Leseverstehen. Doch was ist ein „jeweilige(r) Kern“ einer „Aussage“, wie ihn die informationsorientierte Parlamentszeitung anschreibt? Die Frage nach Leichter Sprache ist komplexer und schwieriger, als es der Begriff verspricht.

 

Andreas Baumert gehört zu den führenden Wissenschaftlern für Leichte Sprache in Deutschland. Wie kann Einfache Sprache formalisiert werden? Baumert bildet eine Grafik auf seinem Buch ab, bei der auf der linken Seite „Unterstützte Kommunikation“ und nach mehreren Stufen „Standardisierte Einfache Sprache – Deutsch“ auf der rechten Seite „Einfache Sprache“ herauskommt. Die einfache grafische Darstellung mit der Tendenz zum Bild zeigt demnach eine stufenweise Standardisierung von Sprache, die zur Vereinfachung führt. Regeln für Sprachen folgen nicht nur den jeweiligen Grammatiken und Wörterbüchern, sie werden beispielsweise durch „Redaktionsleitfäden und Stilratgeber“ für Zeitungen, Fernsehen oder andere Medien weiterhin standardisiert.[5] Erst kürzlich erregte das „Framing Manual“ für die ARD des „Berkeley International Framing Institute“ der Linguistin Elisabeth Wehling heftigen Widerspruch.[6] Doch Einfache Sprache soll mehr sein: 

es ist die Konstruktion einer standardisierten einfachen Sprache (controlled language). Alle Wörter, die benutzt werden dürfen, alle grammatischen und anderen Regeln sind definiert.[7]

 

Die controlled language als standardisierte einfache Sprache gibt zu denken. An welche Konzepte des Lesens und Verstehens dockt Baumert an? Baumert schreibt einleitend, dass er über Sprachphilosophie und Künstliche Intelligenz bei Manfred Geier promoviert habe[8], der bis 1998 Professor für Linguistik an der Universität Hannover war. Bereits 1989 veröffentlichte er das Buch Kritische Grammatik und Künstliche Intelligenz (Beitrag zur Bedeutungstheorie). Das Konzept der Einfachen Sprache ist nicht zuletzt mit der controlled language und controlled natural language verkoppelt, wie sie für Korrektur- und Sprachprüfprogramme, Übersetzungsprogramme, Chatbots und Googles Dialogflow, der Künstlichen Intelligenz aus dem Callcenter am Telefon eingesetzt, weiterentwickelt und erprobt wird. 

Geben Sie den Benutzern neue Möglichkeiten für die Interaktion mit Ihrem Produkt, indem Sie interaktive Benutzeroberflächen für Sprache und Text erstellen, z. B. Voice-Apps und Chatbots, die auf KI basieren. Verbinden Sie sich mit Nutzern auf Ihrer Website, Ihrer mobilen App, dem Google Assistenten, Amazon Alexa, Facebook Messenger und anderen beliebten Plattformen und Geräten.[9]

 

Die Einfache Sprache/controlled natural language der Chatbots wird von Baumert somit aktuell übertragen auf Menschen mit, sagen wir, Lese- und Verständnisschwierigkeiten. Bei Dialogflow schreibt Mandi Galluch als Digital Experience Program Leader: „Dialogflow ist benutzerfreundlich, intuitiv und macht einfach Sinn. Das Natural Language Processing (NLP) ist das Beste, was wir versucht haben.“[10] Durch Dialogflow sprechen die Chatbots als Telefonanrufer so natürlich, „intuitiv“ und menschlich, dass der/die Angerufene nicht merkt, dass sie/er mit keinem Menschen spricht, was als „benutzerfreundlich, intuitiv“ und einfach sinnvoll empfunden werden soll. Dementsprechend wird Lesen bei Baumert zur Frage für ein „Semantisches Gedächtnis“. Denn „empirische Untersuchungen des gesunden wie abweichenden Verhaltens und seit den sechziger Jahren Computerexperimente (Künstliche Intelligenz)“ hätten nach Baumert gezeigt, dass „traditionelle() Theorien und Modelle … aufgrund empirischer Daten modifiziert“ werden konnten.[11] Was versteht und normiert Baumert als „gesunde(s) ... Verhalten“?

 

An dieser Stelle kann keine ausführliche Diskussion oder Analyse der Einfachen Sprache als Sprachmodell für die Digitalisierung oder Programmierung von Künstlicher Intelligenz geleistet werden. Baumert formuliert indessen als Ziel eine SESD oder Standardisierte Einfache Sprache – Deutsch, die vier verschiedene Dokumenttypen mit vier Leserkategorien und Wortlisten, Regeln sowie „Wissensbasis“ kombiniert und verschaltet. Dadurch wird ein quasi algorithmisches Modell für eine zielgruppenorientierte und -differenzierte Einfache Sprache konstruiert.[12] Abschließend fordert Baumert für die Entwicklung der SESD begleitend „eine Art Entscheidungshilfe in ethischen Fragen“. „Ähnlich dem Presserat und vergleichbaren Einrichtungen benötigt auch SESD eine Ethikkommission, die Verwerfungen in Datenbank und Netz zu glätten hilft.“[13] Denn wie bereits vor einem Jahr anlässlich eines Vortrags von Microsoft-Vorstand Brad Smith diskutiert, lassen sich Ethikrichtlinien mit Kant programmieren. Allerdings mit dem feinen Bedenken, dass damit wiederum ein bestimmtes Konzept von Ethik angewendet werden wird.  

 

Eine Lösung für eine produktive Vereinfachung in Text und Bild gibt es noch nicht. Doch der Wunsch nach Vereinfachung, um demokratische Prozesse zu stärken, ist paradoxerweise deshalb gestiegen, weil eben Chatbots mit einfacher Sprache heute stärker als Zeitungen und Presserat politische Entscheidungen und Stimmungen auf Twitter, Facebook oder ähnlichen Plattformen generieren. Wie lässt sich diesem Dilemma begegnen? Bedient die Vereinfachung dann nicht eine Bedeutungspraxis, der sie entgegenzuwirken vorgibt? Die Plakate oder Poster für die Ausstellung Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust wurden vom USHMM in Washington DC nicht zuletzt deshalb entwickelt, um Menschen mit einer geringen „Wissensbasis“, wie Baumert es nennt, zu erreichen. Geschahen „Täterschaft“ und „Mitläufertum“ aus mangelndem Wissen? Oder basierten sie auf falschem Wissen? Welche Rolle spielt das Wissen, wenn man meint, durch Design und Vereinfachung mehr Menschen anzusprechen?

 

Die Ausstellung will weniger über die Ursachen und Kontexte informieren, als die Besucher*innen mit Fragen konfrontieren. „Soll ich das Risiko eingehen, zu helfen?“ Wie hättest Du Dich verhalten? Wo sehe ich mich in den Gruppen auf den Fotos? Besonders erschütternd ist ein kurzer Film aus einem namenlosen Dorf von einem namenlosen Filmer. Ein junger Mann und eine junge Frau werden gedemütigt, weil ihre verbotene Liebe entdeckt wurde. Sie werden durch das Dorf getrieben und kahlgeschoren bis auf eine Haarsträhne, die man als Ringelschwanz eines Schweines erkennen kann. Sie werden wegen ihrer Liebesbeziehung zu Schweinen herabgewürdigt. Diese nicht ganz zufälligen Dokumentaraufnahmen, bei denen der Filmer sich auf die Gedemütigten mit der Kameraperspektive konzentriert, lassen sich kaum aushalten. Welche Fragen müssen formuliert werden? Worauf gibt, dass überhaupt gefilmt wurde, einen Wink? Wer bis 1945 eine Filmkamera besaß und bedienen konnte, gehörte unbedingt zur Elite des Dorfes, wenn nicht der Region. Die Kameraeinstellung und -handhabung verstärkt buchstäblich die Taten und das Mitlaufen. Der Filmer macht mit, will das zeigen und will es steigern.

 

Doch sind derartige Praktiken der Verstärkung nicht längst im Internet insbesondere unter Jugendlichen allgemein üblich geworden? Das sogenannte Handyfoto, der Handyclip von gemeinsamen Vergewaltigungen bis zu Tötungen hat nicht nur für Tina Übels Roman Last Exit Volksdorf schon 2011 eine nicht nur fiktive Rolle gespielt. Und Hamburg-Volksdorf war und ist ganz und gar kein Ort, wo es an Bildung fehlt. In Volksdorf ist fast nichts prekär. Eher beschreibt Übel aus Insider-Kenntnis eine bundesrepublikanische Bildungsidylle mit Gymnasium. 

Alles in allem aber, Lindner läßt seine wohlwollendes Auge auf der Riege der Jugendlichen ruhen, zur Leichtathletik tragen sie Shorts und Trägertops, die Mädchen aus der zehnten inzwischen zudem alle BH, kann er über die Jahre nicht feststellen, daß die Kinder insgesamt dicker werden, wie man öfters liest; bis auf die Ausnahmen, die es immer gegeben hat, sehen sie gut aus, schlank, einige austrainiert, Laura zum Beispiel, die Hockey spielt und auch in Leichtathletik brilliert. Anderswo mag das zutreffen, hier in Volksdorf achten die Eltern auf ihre Kinder, achten auf gesundes Essen, auf moderaten Fernsehkonsum.[14]

 

Die Wanderausstellung Einige waren Nachbarn wird in der nächsten Zeit durch die Republik touren. Dafür ist sie konzipiert. Die Stellelemente sind robust und lassen sich gut transportieren. Vielleicht wird die Ausstellung gar für Schulklassen und Menschen, die den Holocaust heute neuerlich aus dem Gedächtnis der freiheitlich demokratischen Grundordnung verdrängen wollen, mit ihren eigenen Medienpraktiken konfrontieren, die Ausgrenzung, Demütigung, Verfolgung von Einzelnen oder ganzen Gruppen zur Folge haben. Doch der pädagogische Enthusiasmus zur Vereinfachung bleibt ambivalent. Denn am Horizont des pädagogischen Wunsches scheint eine - hoffentlich noch lange aufgeschobene - Ununterscheidbarkeit von Mensch und Maschine bzw. Künstliche Intelligenz als Menetekel auf. 

 

Torsten Flüh

 

Einige waren Nachbarn

Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand während des Holocaust

ab 13. März 2019 in der Universität Halle

weitere Stationen:

Magdeburger Parlament

Gedenkstätte Gardelegen

Berlin-Hohenschönhausen

Münster/Westfalen

weitere Standort in Nordrhein-Westfalen

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[1] Siehe: Deutscher Bundestag: „Das Parlament“ nun auch in „Leichter Sprache“. Berlin jbi/11.08.2014.

[2] Siehe auch: Der neue Analphabetismus der Digitalisierung. E-Read-Experten sprechen im Kulturstadion auf der Frankfurter Buchmesse übers Lesen. In: NIGHT OUT @ BERLIN 26. Oktober 2017 17:07.

[3] Andreas Baumert: Leichte Sprache – Einfache Sprache. Literaturrecherche, Interpretation, Entwicklung. Hannover: Bibliothek der Hochschule Hannover, 2016, S. 5. (Open Access).

[4] Deutscher Bundestag: „Das … [wie Anm. 1].

[5] Andreas Baumert: Leichte … [wie Anm. 3] S. 6.

[6] Vgl. z.B. Detlef Esslinger: Elisabeth Wehling verteidigt sich. In: Süddeutsche Zeitung 23. Februar 2019, 12:30 Uhr.

[7] Andreas Baumert: Leichte … [wie Anm. 3] S. 6.

[8] Ebenda.

[9] Dialogflow: Overview (Eigene Übersetzung).

[10] Ebenda.

[11] Andreas Baumer: Leichte … [wie Anm. 3] S. 28.

[12] Ebenda S. 215.

[13] Ebenda S. 217.

[14] Tina Übel: Last Exit Volksdorf. München: C.H. Beck, 2011, S. 86-87. 


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