Unheimlich realistisch - Kathrin Rögglas neues Buch Nachtsendung

Realismus – Sicherheit – Risiko 

 

Unheimlich realistisch 

Kathrin Rögglas neues Buch Nachtsendung 

 

Nachtsendung könnte ein klug komponierter, realistischer Roman genannt werden. Die Geschichten wie Starter ganz zu Beginn sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verknüpft. Sie bauen eine Spannung beispielsweise mit dem allerersten Satz auf: „Nach der Durchsage herrscht erst einmal Stille.“ Das ist so ein Röggla-Satz, nach dem Lesende doch unbedingt weiterlesen müssen. Der knappe Aussage-Satz wirft gleich Fragen auf. Durchsage? Was ist denn da passiert? Muss wichtig gewesen sein. Und wenn jetzt erst einmal Stille herrscht, dann muss sie demnächst auch wieder zu Ende sein. Was wird dann gesagt werden? Unheimliche Geschichten, so der Untertitel, ist nicht unbedingt ein literarisches Genre. Am 11. Oktober fand im Plenarsaal der Akademie der Künste am Pariser Platz die Buchpremiere von Nachtsendung statt.  

 

Im Gespräch mit Meike Feßmann erinnert Kathrin Röggla daran, dass in einer postfaktischen Debatte, wie sie Donald Trump in der Politik zelebriert, der Realismus in der Literatur wieder einen anderen Wert bekommen sollte. Das Postfaktische als Erzählmodus auf Facebook, Twitter etc., als Verschwörungstheorie bis zum Verleugnen der Wahlentscheidung durch Trump ruft nach einem Gegenentwurf. So war Dekonstruktion nicht gemeint, möchte der Berichterstatter einwerfen. Rögglas Erzählkunst trumpft dagegen mit gründlich recherchierten Geschichten und rhetorischem Talent auf. Sie hat den Politik- und Konferenzbetrieb genau aus nächster Nähe beobachtet wie in der Geschichte Frühjahrstagung, Herbsttagung, um von den Unheimlichkeiten schreiben zu können.

 

Kathrin Röggla ist neben der Präsidentin Jeanine Mehrapfel in der Akademie der Künste seit 2015 die Vizepräsidentin. Dabei geht es nicht zuletzt um das Politische der Kunst und die Positionierung der Akademie wie der Künste zur Politik in Sichtweite zum Kanzleramt und dem Parlament im Reichstagsgebäude. Die Nähe zum Parlament als Ort politischer Entscheidungen erfordert auch eine Haltung zum Politikbetrieb. Kathrin Röggla hat sich auf die eine oder andere Weise in die Ministerien, in die Konferenzen und die Politikpraxis hineingeschlichen. Nachtsendung sind Geschichten vom Innen der Entscheidungsträger: Inside Politics. Wie funktioniert das eigentlich mit Bürgerbeteiligungsverfahren? Heinz Conradi verfängt sich in Bürgerbeteiligung in ihren Widersprüchen.

 

Lässt sich Literatur gut lesen, wenn sie sich mit Politik und ihrem Betrieb befasst? Nachtsendung lässt sich sehr gut lesen und geht trotzdem über einen sensationsorientierten Journalismus hinaus. Fast könnte man die 42 eher kurzen Geschichten so hintereinander weg lesen, wenn die Geschichten nicht von Globalisierung, internationaler Politik, Flüchtlingen, Biopolitik und Bürgerbeteiligung handeln würden. Es wird ein geradezu globales Panorama des Politischen mit den Geschichten zwischen Starter am Anfang und Starter am Schluss entfaltet. Als das Flugzeug in Starter nicht abhebt und auch die nächste Durchsage auf sich warten lässt, beginnen die Geschichten oder auch der Roman, der keiner sein will. 

Geschichten, die einem noch übrig bleiben und die man sich etwas fahrig zu erzählen beginnt, als wäre das ein Ritus. Etwas, das einem Aufschub gewähren könnte, ein Vorgang, der allerdings hier drinnen in der Maschine mit ihren Sitzreihen und ihren Fensterwaben unmöglich scheint. Eine Erzählung nach der anderen würde man auspacken.[1]

 

Die Literaturkritik im deutschen Feuilleton ist eigentlich tot. Buchbesprechungen werden zur Seltenheit. Liest kaum noch jemand. Stattdessen müssen sich die Autorinnen beiderlei Geschlechts mit Journalistinnen im Kiez treffen und über Kinder reden – „der mittlere Sohn räumt gelassen das Wohnzimmer“.[2] Navid Kermani beschwerte sich kürzlich im Interview mit Iris Radisch sicherlich vergeblich, aber zurecht darüber, dass Bücher nicht mehr besprochen werden. „Ich verstehe auch nicht, wieso Sie mit diesen Autorenporträts kommen in Ihren Literaturbeilagen – statt wie früher das Buch zu besprechen, um das es geht. Und jetzt auch noch ein Interview. Das ist nun wirklich nicht die Aufgabe des Autors, sein Buch zu erklären.“[3] Homestory, Interview, Streit über „Liebe, Ehe und Normalität in der Gegenwartsliteratur“ gehen, Buchbesprechung nicht mehr. Denn in einer Buchbesprechung müssten sich die Leserinnen unverfrorener Weise mit anderem befassen, als der Twitter- und Facebook-Horizont bietet.

  

Kathrin Röggla schreibt anders als Navid Kermani, der eher blogartige Romane der Gegenwartsliteratur wie mit Dein Name (2011) oder Sozusagen Paris (2016) schreibt.[4] Kermanis Romane sind nicht weniger durchkomponiert und politisch. Im Erzählfluss baut er Haken ein. Das ist ein literarisches Verfahren, mit dem er Unsicherheit über die Realität erzeugt. Bereits in der Eröffnungssequenz von Sozusagen Paris wird das Schreiben und Erzählen des Romans beiläufig durch den Verlagslektor als Korrekturinstanz eines Bildes durchkreuzt und reflektiert. Ich sind mehr als der, der schreibt oder auch der Ich-Erzähler. 

– Aber nicht für Jutta. 

Ich schaue zu der Frau hoch, die mir das Buch zum Signieren auf den Tisch gelegt hat, Anfang, Mitte Vierzig, taxiere ich sie, auffallend klein, schlichtes, vermutlich nicht billiges Kleid, das etwas zu eng geschnitten ist, der Leib zwar grazil, aber doch ein Pölsterchen vorm Bauch, die glatten blonden Haare wie mit dem Lineal auf Höhe des Kinns abgeschnitten, so daß ihr Kopf runder wirkt, als er wohl ist, und ihr Hals noch zarter, ja so fein wie ein Blumenstiel, geht mir ein Bild durch den Kopf, das der Lektor abgeschmackt finden wird, um die braunen Augen auffallend viele Linien allerdings, Falten würde ich’s nicht nennen, Krähenfüße nennt man es wohl, also älter jedenfalls, Ende Vierzig vielleicht und dennoch mädchenhaft, ihr Blick von mildem, beinah schon geschwisterlichem Spott, seltsam vertraut.[5]

 

Peter Herrfurth, Kurt Felsch, Lavinia Prerow, Heinz Conradi usw. heißen die Protagonisten der Wahrnehmung in Kathrin Rögglas Geschichten. Für sie sind Namen beim Erzählen ein „Teil der Arbeit“. Sie macht es sich mit den Namen nicht leicht, weil sie sich fragt, „wieviel Semantik im Namen steckt“, sagt sie im Gespräch mit Meike Feßmann. Peter Herrfurth in Die Fortsetzung, der „in diesem Versicherungsunternehmen“ arbeitet und einen „Aussetzer“ erlebte, bleibt hochprofessionell in seiner Wahrnehmung stecken.[6] Er hat etwas erlebt, was niemand sonst wahrgenommen zu haben scheint. Während er sich noch Gedanken über den geheimnisvollen und unheimlichen „Aussetzer“ macht, geht alles, als wäre nichts passiert. Mit größter Kunstfertigkeit umgeht er eine Benennung des „Aussetzer(s)“, der ein globaler Blackout, eine Katastrophe, ein Kurs- oder Computerabsturz, ein Cyberangriff etc. gewesen sein könnte. Ob das gestern passiert ist oder in naher Zukunft geschehen sein könnte, bleibt offen. 

Nichts zeigte den Riss an, hatte er verstanden, in dem sie alle tatsächlich verschwunden waren, und wo würde es auch für alle Zeiten bleiben.[7]

 

Peter Herrfurth kommt als Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmens aus dem Risikomanagement, zu dem Kathrin Röggla aufwendig recherchierte. 2012 verfasste sie für Die bewegliche Zukunft Eine Reise ins Risikomanagement das Buch und führte Regie.[8] Der ZDF-Film lässt sich dem Genre des Dokumentarfilms zuordnen, obwohl sie ihn als Mainzer Stadtschreiberin nicht so benannt hat. Der Film wurde denn auch in der Sendereihe Stadtschreiber ausgestrahlt und ist weiterhin in der ZDF-Mediathek verfügbar. In Die bewegliche Zukunft erforscht Röggla nicht zuletzt die Sprache und ihre Formulierungen im Risikomanagement. Wie wird von der Zukunft gesprochen, wenn ihre Risiken berechenbar gemacht werden? In einem Fernsehfilm mag durch die Bilder und Schnitte die Erforschung der Sprache im Risikomanagement auch überhört werden. Doch Röggla beginnt ihren Film im Vorspann mit einer ebenso realistischen wie literarischen Anmoderation. 

Es gibt die Vorstellung, dass die Musik, mit der man Bilder von Industrieanlagen unterlegt, melancholisch sein müsse. Wir befinden uns im Zeitalter der Stilllegungen, heißt es dann. Und der Stilllegung eine heitere Zukunftsmusik abzulauschen, ist eine schwierige Kunst.[9]     

 

In der Literaturwissenschaft gibt es seit geraumer Zeit eine neue Realismusdiskussion, die maßgeblich von Elisabeth Strowick und Ulrike Vedder mit der Konferenz Wirklichkeit und Wahrnehmung. Neue Perspektiven auf Theodor Storm[10] 2012 angestoßen worden ist und vom 28. bis 29. Oktober im Grimm-Zentrum mit der Tagung Herausforderungen des Realismus: Theodor Fontanes Gesellschaftsromane finden wird. Am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung fand kürzlich die Internationale Sommerakademie unter dem Titel Realismus revisited statt. Bei dieser Realismusdebatte geht es weniger um die epochengeschichtliche Einordnung als vielmehr um die sprachliche Verfertigung realistischer Literatur. Welchen Eigensinn entwickelt beispielsweise die Wahrnehmung der Dinge in der Literatur des Realismus? Damit lässt sich ein zugegebenermaßen großer Bogen zum Realismus bei Kathrin Röggla schlagen.  

 

Die Protagonisten der Geschichten kämpfen wie Kurt Felsch mit den Tücken ihrer Wirklichkeit beispielsweise mit der Tagungsarchitektur. Im durchorganisierten Tagungsbetrieb werden Räume Themen zugeordnet, in denen man sich schon einmal verheddern kann. Dann kommt es einem so vor „als ob sich der Saal … versteckt hätte“. Auf merkwürdige Weise generieren Tagungszyklen und Architekturen eine Wirklichkeit, die wiederum eigene Gedankengänge erzeugen. Für Kurt Felsch wird das durchaus zu einem Problem. 

Egal, sagte sich Felsch. Im Raum Bismarck sprach ohnehin niemand davon. Opferkonkurrenzen waren auch eher Thema für den Saal Chamisso, soweit er sich erinnern konnte, ein kleiner Saal, mehr ein Sitzungszimmer für fünf Leute, so genau wusste er das nicht. Er hatte ihn noch nicht gefunden, aber er würde jetzt nicht wie Frau Efferdingen verkünden: Er war, als ob sich der Saal vor ihr versteckt hätte. Nur mit Handylotsung sei sie überhaupt hier angekommen, das Gewirr der Aufgänge im Parkhaus müsse das Ergebnis einer heillosen Fehlplanung sein. Es half natürlich nicht, dass dort alles voller schwarzer Mercedes stand.[11]

 

Lavinia Prerov gehört ihrerseits zu den Politikakteuren, die sich in einer eigenen Wirklichkeit des globalen Conference-Hopping befinden. Als sie auf der Taxifahrt von der Konferenz zum Flughafen irgendwo zwischen Taschkent, Mumbai oder Kairo auf eine ungewöhnlich unbeleuchtete Straße gerät, fällt sie in Panik. Das enge Netz der Konferenzen und Termine erlaubt keine Abweichungen. Kommt es zu einer, droht Gefahr. Es sind Akteure, die die Wirklichkeit global organisieren, wie Lavinia Prerov. Wenn die Fahrstrecke plötzlich aus dem Rahmen der Zufahrtsstraßen zum Flughafen überall auf der Welt fällt, drohen Terminkalender und Wirklichkeit zu reißen. 

Ein paar Locals hatten ihr von dem lebhaften Wahlkampf erzählt, aber sie hatte schon nicht mehr recht zugehört, war mit den Gedanken schon bei ihrem Abflug nach Kairo oder bei der übernächsten Geberkonferenz in Tokio. Sie sah nach oben, um am nächtlichen Himmel Flugzeuge zu erspähen, die Hinweis auf einen Flughafen geben konnten.[12] 

 

Die Realität ist eine Erzählmaschine, kann man mit Rögglas Nachtsendung sagen. Lavinia Prerov erzählt sich unablässig selbst ihre Geschichte, die nach einem Schema abzulaufen hat. Kommt das Taxi vom Wahrnehmungsschema ab, wird es haarig. Die Maschine muss funktionieren und birgt gleichzeitig den Schrecken, dass die „Perlenschnur“ reißen könnte oder schon gerissen ist. Der Automatismus der Erzählung von der bekannten Wirklichkeit hat seine Tücken, so dass sich Lavinia Prerov in einem schwarzen Loch wiederfindet. Wo der Automatismus nicht mehr funktioniert, reißt für sie ein Loch auf, das sie selbst zu verschlucken droht. Kathrin Röggla entwickelt beispielsweise in Tangente mit Prerov den Schrecken aus der Erzählmaschine heraus. 

Jede Minute eine Landung, jede Minute einen Start, und war man in Flughafennähe, müsste man doch dort oben riesige Maschinen sehen, es musste doch Flugschleifen geben, die lange Perlenschnur der Anfliegenden und Abfliegenden, wie sie sie vom Frankfurter Flughafen her kannte. Aber sie waren nicht am Frankfurter Flughafen, weiß Gott, sie waren noch nicht einmal an irgendeinem Flughafen, der nächtliche Himmel blieb schwarz.[13]  

 

Auf bisher ungekannte Weise entfaltet sich mit Nachtsendung ein globaler Gesellschaftsroman von Menschen, die, wie Röggla im Gespräch mit Meike Feßmann sagte, damit zu tun haben, „gesellschaftlich handlungsfähig“ zu bleiben. Wenn ein „mächtiger Entscheidungsträger nicht mehr weiß, wo er ist,“ wird das zum Politikum oder wirft zumindest Fragen nach der Praxis von globaler Politik auf. Kurt Felschs und Lavinia Prerovs Geschichten erzählen nicht trocken vom Politikalltag, sondern von den Momenten, in denen es mit dem Alltäglichen hapert. Damit gelingt es Röggla immer auch mit einem Humor des Umschlags die gesellschaftliche Realität und ihre Funktionsweise freizulegen. 

… irgendwann war nichts mehr da, noch sie alleine saß auf einer Rückbank im Nichts, …[14]

 

Nachtsendung ist ein merkwürdiger Titel. Soll damit auf Heinrich Heines Gedicht Nachtgedanken aus seinem Zyklus Zeitgedichte von 1844 angespielt werden? Nachtsendung und ihre Zeitgeschichten sind ebenso kunstvoll wie realistisch komponiert. Sie schlittern immer gerade noch am Albtraum vorbei. Allerdings liegen auch E. T. A. Hoffmanns Nachtstücke mit der Erzählung Der Sandmann nicht ganz abwegig. Mit Der Sandmann kommt sozusagen das Unheimliche in die deutsche Literatur. Röggla möchte mit dem „Realismus anders umgehen“, wie sie sagte. Als literarische Bezugsgröße fällt der Name Jean Paul. Welche Texte und Bilder haben wir im Kopf? Jean Paul ist spätestens seit Navid Kermanis Frankfurter Poetikvorlesung Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe, wieder im Gespräch bei Schriftstellerinnen der Gegenwartsliteratur.[15] Doch Nachtsendung gibt auch einen Wink auf Nachtgedanken und deren politische Aufladung: 

Denk ich an Deutschland in der Nacht, 

Dann bin ich um den Schlag gebracht, …

 

Die Geschichten in Nachtsendung sind nicht zuletzt eine Literatur des Konjunktivs II. Röggla arbeitet auf zweierlei Art mit dem Konjunktiv. Es ist der Modus der möglichen Verbindungen und des Unbestimmten. Was wäre wenn? In Der Wiedereintritt in die Geschichte geht Peter Wols in einen Laden, um ein Waschmittel zu kaufen. Doch „er wäre gerne einfach wieder rausgelaufen, hätte er nicht dringend das Waschmittel benötigt“.[16] Das erzeugt Spannung, gar suspence à la Hitchcock, Ungewissheit, eine Schwebe. Wäre er doch „einfach wieder rausgelaufen“. Blöd, es nicht getan zu haben. Im Konjunktiv werden Zeit und Ort, Handlungen verpasst. Es wird verpasst, etwas getan oder erlebt zu haben. 

Es ist insofern nur zu vermuten, dass sie zum Zeitpunkt, als sie sich verabschiedet hatten, noch Kanzleramtskollegen gewesen waren, es ist zu vermuten, man blieb es auch bis zu Wols‘ Eintritt in diesen Drogeriemarkt, wo der Kontakt abbrach, alleine aufgrund der Lautstärke und allem, was aus ihr folgte. So hätte es jedenfalls Wols für sich formuliert, würde er sich noch erinnern. Im Nachhinein würde es andernorts heißen, er sei ohnehin kein so überzeugter Kanzleramtskollege gewesen, es sei ihm wohl angesichts der jüngsten Ereignisse unangemessen erschienen.[17]   

 

Jede Geschichte wird personalisiert und beispielsweise im Kanzleramt bzw. einem Drogeriemarkt angesiedelt. Damit wird sie zu einer Singularität, die nicht verallgemeinert werden kann. Doch die 40 Singularitäten fächern ein Panorama der gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsträger auf. Auf diese Weise wird Nachtsendung weit über journalistische Reportagen hinaus zum hoch aktuellen Gesellschaftsroman. Wenn am Schluss das Flugzeug nach der Stille nach der Durchsage dann doch startet – „Sie fahren los, starten, und es ist eigentlich so wie immer.“[18], – ist man sich als Leser gar nicht mehr so sicher, ob das wirklich ein Happy End ist. Wenn es nun „eigentlich so wie immer (ist)“, dann ist das, nach allem, was man gelesen hat, auch für die Gesellschaft und überhaupt ganz schön unheimlich. 

 

Torsten Flüh 

 

Kathrin Röggla 

Nachtsendung 

Unheimliche Geschichten 

Hardcover 

Preis € (D) 22,00 | € (A) 22,70 

ISBN: 978-3-10-002487-9 

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[1] Kathrin Röggla: Nachtsendung. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2016, S. 7.

[2] Nicole Henneberg: Gegenwart, ein Irrlicht. In: Der Tagesspiegel 19.08.2016 11:28 Uhr.

[3] Navid Kermani im Interview mit Iris Radisch: „Es gibt nun einmal Menschen, die Jutta heißen“. In: Die Zeit 6. Oktober 2016, 3:13 Uhr/Editiert am 9. Oktober 2016, 7:18 Uhr (S. 3)/ DIE ZEIT Nr. 40/2016, 22. September 2016.

[4] Vgl. dazu: Torsten Flüh: Ich beim Schreiben des Romans. Dein Name und die Kleist-Preis-Rede von Navid Kermani. In: NIGHT OUT @ BERLIN 18. Dezember 2012 19:39.

[5] Navid Kermani: Sozusagen Paris. München: Carl Hanser Verlag, 2016, S. 7.

[6] Kathrin Röggla: Nachtsendung [wie Anm. 1] S. 8.

[7] Ebenda S. 17.

[8] Kathrin Röggla: Die bewegliche Zukunft. Eine Reise ins Risikomanagement. Erstsendung 19.11.2012 00:35 ZDF-Mediathek.

[9] Transkription nach Film von Torsten Flüh.

[10] Elisabeth Strowick und  Ulrike Vedder (Hrsg.): Wirklichkeit und Wahrnehmung. Neue Perspektiven auf Theodor Storm, Bern: Peter Lang, 2013.

[11] Kathrin Röggla: Nachtsendung [wie Anm. 1] S. 25/26.

[12] Ebenda S. 36.

[13] Ebenda.

[14] Ebenda S. 37.

[15] Navid KERMANI: Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe. München: Carl Hanser Verlag, 2012.

[16] Kathrin Röggla: Nachtsendung [wie Anm. 1] S. 160.

[17] Ebenda S. 163.

[18] Ebenda S. 283.