Der Maschine verfallen - Sprengbagger 1010 auf ARTE-online

Frau – Maschine – Spiegel

 

Der Maschine verfallen

Sprengbagger 1010 (1929) auf ARTE-online

 

ARTE +7 heißt die Online-Mediathek des „Europäischen Kulturkanals“. 7 Tage nach der Ausstrahlung des Stummfilms Sprengbagger 1010 auf ARTE ist die Datei nun allerdings verfallen bzw. gelöscht. Das ist äußerst bedauerlich. Denn nicht nur die Begleitmusik des Komponisten Walter Gronostay (1906-1937) für Kammerorchester, Gasflaschen, Werkssirenen und einen achtköpfigen Sprechchor ist äußerst hörenswert.

Sprengbagger 1010 ist bereits vom utopischen Namen einer hyperschnellen Maschinenkombination aus Sprengung und Bagger ein äußerst sehenswerter Film aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Ingenieur Karl Hartman hat die ultimative Maschine konstruiert. Doch anstatt sich zu freuen, gerät er zunächst in eine Krise. Burn-out-Syndrom würde man es heute nennen. Er will der „Maschinenwelt“ als „Maschinenhölle“ entkommen.

Die narrative wie bildliche Verknüpfung von Maschine und Frau ist nicht weniger interessant als die Krise. Fortschritt und Frau verschmelzen im Film von Carl Ludwig Achaz-Duisberg (1889-1958), der ebenso das Drehbuch schrieb wie mit einer eigenen Filmproduktionsgesellschaft den Film produzierte, zu einem libidinösen Begehren. Der Film als Bildermaschine wird an der Nahtstelle des Begehrens zur Maschine der Lustgewinnung.

Sowohl der Berliner Börsen Courier wie der Filmkurier waren am 26. November 1929 fasziniert von der „ungeheure(n)“ bzw. „ewig bewegten, kreisenden, rastlosen Maschinenwelt“. Die kreisende Maschinenwelt ist auch eine kreißende, nämlich eine laute und endlos reproduzierende Welt. Mit anderen Worten die Maschinenwelt wird in den Filmbesprechungen mit der Frau nicht zuletzt in ihrer Eigenschaft zur Reproduktion in Verbindung gebracht.

In der Filmhandlung geht es nicht zuletzt um drei Frauen, einen Mann und einen „Sprengbagger“. Die Konstruktionszeichnerin und Direktionsassistentin Olga Lossen wurde von Viola Garden (?-1948) gespielt. Viola Garden als Olga Lossen war der moderne Frauentyp. Sie ist berufstätig, trägt Krawatte zur Bluse und fliegt beispielsweise vom Tempelhofer Feld kurz mal mit dem Sportflugzeug aufs Land, um dem Ingenieur Karl Hartmann ein Schreiben des Direktors der Karolinenwerke (Heinrich George) zu überbringen. Sie wird schließlich auch mit Hartmann den „Sprengbagger“ in Betrieb setzen.

Der modernen Frau stehen zwei nicht ganz so moderne, der Tradition verpflichtete gegenüber. Camilla von Einerm, Gutsbesitzerin, jung, attraktiv, vermögend, gespielt von Ilse Stobrawa (1912-1987) und die alte Hartmann, Karls Großmutter und Mühlenbesitzerin in 5. oder 6. Generation, gespielt von Gertrud Arnold (1873-1931). Diese beiden Frauen werden auf recht spektakuläre Weise im Film sterben.  

Mehr als über den Regisseur und Produzenten lässt sich heute über die Kameramänner Helmar Lerski(1871-1956), Herbert Körner(1902-1966)Hugo von Kaweczynski (1883-1945) und  Arthur Edler von Schwertführer (1891-1967) erfahren. Teilweise war es einer ihrer ersten Filme. Hugo von Kaweczynski gehörte zum Kamerateam von Leni Rieffenstahls Film Olympia (1938), 2. Teil Fest der Schönheit. 1941 stand er für den Propagandafilm Stukas an der Kamera. Für Sprengbagger 1010 war vor allem die Montage von dokumentarischen Aufnahmen der Maschinen und der Industriearchitektur mit Landschafts- und Schauspielersequenzen entscheidend.

In der narrativen Montage von Landschaft und Maschine werden „beide Welten in ihrer eigentümlichen Schönheit erfasst“ wie es in der Kritik des Filmkuriers zum Kameramann Helmar Lerski heißt. Indessen sind es vier Kameramänner, die die Schönheit der Bilder zum Film beigetragen bzw. produziert haben. Industriearchitektur und Maschinen werden in einer Ästhetik der Neuen Sachlichkeit ins Bild gesetzt. Beispielsweise spiegeln sich in den Fenstern des Baggers die Wolken. Statt Gegensatz wird im Spiegeleffekt der Baggerscheiben die Maschine in die Natur gesetzt und umgekehrt. Auf den Einsatz von Spiegeln in diesem Film wird zurückzukommen sein.

Die Schnitte im Film wechseln häufig zwischen Industrie/Maschine und Natur/Landschaft. Dem Schwungrad einer Maschine in einer besonders großen Maschinenhalle werden die sich drehenden Flügel der Mühle auf dem Land gegen geschnitten. Oder dem Kali-Abhang mit Schaufelbagger werden die schneebedeckten Abhänge eines Wintersportortes als Erinnerung Karl Hartmans, gespielt von Iwan Kowal-Samborski (1893-1962), entgegen gestellt. Unter dem finalen Einsatz des Sprengbaggers 1010 wird die Landschaft geradezu infernalisch in die Luft gesprengt und die Braunkohle für die Industrie der Leuna-Werke gewonnen werden.

Das durch den Schnitt als Spiegelszenarium von Industrie/Maschine und Natur/Landschaft inszenierte Verhältnis findet in der Erzählung als Krise statt. Denn Karl Hartmann erinnert sich vermeintlich an eine Welt ohne Maschinen. Er will gerade der „Maschinenhölle“ entkommen. Deshalb flieht er zunächst aus seinem Büro in die Maschinenhallen, wo ihn die Erinnerung an die Natur einholt. Doch das Erinnern an eine Welt ohne Maschinen angesichts von Maschinen ist bereits in der Eröffnungssequenz widersprüchlich.   

In der Ästhetik der Neuen Sachlichkeit von Industrieanlagen und Maschinen wird Karl Hartmann als Mensch vor dem Kali-Abhang und neben dem Abraumbagger zwar sehr klein, doch vor dem hellen Abhang hebt sich Hartmann deutlich ab. Hartmann wird nicht von der „Maschinenhölle“ verschluckt, sondern behauptet selbst auf endlosen Industriewendeltreppen seine Position. Das Ornamentale der „schönen“ Industrielandschaften enthält schon immer die Erinnerung an die Naturlandschaft.

Hartmann flieht vor der Maschinenwelt in die Mühle seiner Großmutter. Doch kaum sitzt er am Tisch der atavistischen Großmutter, hört er die mahlenden Mühlenräder. Er steht auf und öffnet ein Fenster in den frühzeitlichen Maschinenraum der Mühle. Als hätte es noch einer Bestätigung der Eröffnungssequenz gebraucht, erweist sich die Mühle selbst als Maschine. Doch anders als zu Beginn werden nun keine Maschinenbilder gegen geschnitten. Hartmanns Entschluss in die Natur zurück zu kehren, indem er die Maschinenbilder verdrängt, wird beibehalten.

Camilla von Einerm lebt nahe der Mühle auf einem herrschaftlichen Gut. Die erste Begegnung Hartmanns nach langer Zeit findet auf der Reitkoppel statt. Camilla erscheint als ein „natürliches“ Spiegelbild von Olga. Mit Kurzhaarschnitt, Reiterbluse mit Krawatte und in Hosen ist die Ähnlichkeit zu Olga verblüffend. Doch während Camilla auf dem Pferd geritten kommt und Karl mit einem Reitstock vom Zaun kippt, kommt Olga mit dem Sportflugzeug in Fliegermontur geflogen. Karl entscheidet sich indessen für das Landleben und Camilla.

Schon in der nächsten Einstellung spazieren Camilla und Karl über die Felder, auf denen die Bauern von Hand das Korn schneiden. Da geraten sie ausgerechnet in eine Trauergesellschaft mehrerer Kinder, die ihren Hund zu Grabe trage. Und da, wo der Hund begraben werden soll, liegt er denn auch tatsächlich begraben. Als Karl nämlich beim Ausheben des Grabes hilft, stößt er auf Braunkohle. Es ist der Rohstoff für den er seinen „Sprengbagger“ konstruiert hat.   

Worum geht es mit dem „Sprengbagger“? Der „Sprengbagger“, der so verheißungsvoll den Titel abgibt, ist in der Sprache des Bergbaus ein Abraumbagger für den Braunkohle-Tagebau. Doch wie ganz zu Beginn von Olga bereits formuliert, handelt es sich um eine geniale Kombination von Sprengungen und Baggern. Der Bagger ist die Maschine. Das Geheimnisvolle am „Sprengbagger“ ist seine Kombination mit der Sprengung. Sie bewirkt eine Beschleunigung des Baggers. Sprengen und baggern sind zwei unterschiedliche Tätigkeiten, die nun in einem Bagger verkoppelt werden. Baggern bzw. anbaggern kommt im Deutschen allerdings auch umgangssprachlich als ein massiver Versuch, eine Frau zu verführen, vor. Sprengungen ihrerseits sind Explosionen, die auch mit einem Orgasmus in Verbindung gebracht werden können.

Durch die Braunkohle an den Einsatz des „Sprengbaggers“ erinnert, fährt Hartmann sofort nach Berlin zum Direktor der Karolinenwerke und eröffnet ihm den Fund des Bodenschatzes. Nun macht die Maschine Sinn. Der Direktor beschließt den Abbau der Braunkohle durch den „Sprengbagger“. Die Emissäre der Karolinenwerke kaufen den Bauern das Land ab und können später sogar die zögerliche Gutsbesitzerin Camilla zum Verkauf bewegen. Camilla ist entschlossen, sich an der Seite Karls der neuen Zeit, der nun die Landschaft zum Opfer fallen soll, zuzuwenden. Sie verlobt sich auf einer großen modernen Feier mit Jazzorchester, Direktor und Gesellschaft mit Karl Hartmann.

Dort wo der Hund begraben werden sollte, lag offenbar die Lösung für das schwierige Problem der Maschinenwelt. Der Maschinenwelt fehlte es nämlich für Hartmann an Sinn. Doch worin besteht der Sinn? Wie kommt durch den Fund der Braunkohle der plötzliche Sinneswandel zustande? Einerseits ist der Bau des neu konstruierten Baggers durchaus ein Lustversprechen. Andererseits gefährdet Hartmann dadurch die Natur, die Landschaft und seine Beziehung zu Camilla, auf die er kurz zuvor nicht hatte verzichten wollen. Erst sehr viel später wird es eine knappe Erklärung geben. Doch zunächst ist Karls Umschwung angesichts der Braunkohle plötzlich und paradox, geradezu maschinenartig, als hätte man den Schalter in eine andere Richtung gelegt.

Es ist ein höchst trivialer Zug des Films, dass die Sinneswandel nicht vorbereitet werden und plötzlich auftreten. Plötzlich erwacht Karl in seinem Büro, nachdem er den „Sprengbagger“ erfunden hat, und will der Maschinenwelt entfliehen. Plötzlich stößt Karl auf Braunkohle und will seine Maschine bauen. Obwohl der Film bei der Uraufführung am 25. November 1929 im Mozartsaal in Berlin eine Länge von 2712m hatte und die restauriert Fassung mit 1818m nur Zweidrittel des Originals aufweist, gibt es in der um ca. 45min. gekürzten Fassung keine Anzeichen dafür, dass die plötzlichen Sinneswandel genauer begründet gewesen waren. Die Plötzlichkeit der Sinneswandel ist vielmehr strukturierend für den Stummfilm. 

Der Fund der Braunkohle verändert nicht zuletzt das Verhältnis Karls zu den drei Frauen. Die alte Hartmann will ihre Mühle nicht für den Braunkohle-Tagebau verkaufen. Stattdessen verweist sie den Inspektor Bachmann als Emissär auf die lange Ahnenreihe der Hartmanns, denen seit vielen Generationen die Mühle gehörte. Genealogien sind wie Maschinen, die sich reproduzieren. Sie lebt in dem dunklen Innenraum einer Maschine, die überholt wird. Die alte Hartmann zündet schließlich mit dem Blick auf die Ahnentafeln ihre Mühle von Innen an und verbrennt mit ihr. Sie passt nicht mehr in die neue Maschinenwelt und macht mit bibelfest heroischer Geste Platz für den „Sprengbagger” ihres Enkels. Eine Szene der Trauer um die Großmutter fehlt. Sie hätte, wie sich am Schluss herausstellen wird, auch kaum der Logik des Films entsprochen.

Es ist nicht zuletzt der Abend der Verlobung zwischen Camilla und Karl, der mit einem plötzlichen Zwischenfall im Betrieb des Baggers eine Wende bringt. Olga überbringt Karl die Nachricht, dass er beim - oder vom - „Sprengbagger“ gebraucht wird. Karl muss seine eigene Verlobungsfeier vorzeitig verlassen. Olga sagt zu ihm den anderen Verlobungssatz als Schlüsselsatz für den Film:

Wir Beide sind der Maschine verfallen - - -

Sie läßt uns nicht mehr los!

Kurz darauf hilft Karl Olga in den Mantel, als Camilla einen Vorhang zur Seite zieht und die beiden vor einem Spiegel sieht. Die Ablösung der einen Frau gegen die andere passiert vor und im Spiegel. Die Dramaturgie von Vorhang, sich im Spiegel als andere sehen und Vertauschung der Verlobten gegen die Maschinen-Frau Olga ist filmisch einer der Höhepunkte des Films. Für die Spiegelszene braucht es keine Worte. Sie geschieht nicht zuletzt plötzlich.

Statt auf einer Narration von Sinnzusammenhängen zu setzen, findet das Narrative des Films Sprengbagger 1010 in Spiegelszenarien statt. Strittig ist wie 1010 im Titel gelesen werden soll. Sollen die Ziffern als Tausendzehn oder Zehnzehn gelesen werden? Letztlich ist der Ziffernteil des Titels ein Binarismus aus 1 und 0, der eine Wiederholung andeutet, aber nicht spiegelbildlich funktioniert. Ein spiegelbildliches Verhältnis wäre vielmehr in 1001 oder 0110 angedeutet. Doch 1001 hätte zu sehr an die Erzählungen aus Tausendundeine Nacht erinnert, was sicher nicht erwünscht war.  Insofern bleibt die 1010 durchaus als eine 10 unter den Bedingungen des Spiegelns erhalten.

Nachdem die Mühle lichterloh brennt, laufen die Bauern und die feine Verlobungsgesellschaft im Smoking und Paillettenkleid in einer Masse zur Mühle. War die feine Verlobungsgesellschaft noch im Gutshaus von den Bauern getrennt, so laufen sie nun plötzlich zusammen zur Mühle. Im Angesicht der brennenden Mühle, mit der die alte Zeit und die alte Hartmann verbrennen, vereinigen sich die Massen über Gesellschaftsschranken hinweg. Während der alte Direktor beim Anblick der brennenden Mühle noch erschrocken war, schlägt der Schrecken bei den Massen in eine Neugier um.

Schrecken und Neugier sind auch die widerstreitenden Regungen bei der Inbetriebnahme des genialisch-utopischen „Sprengbaggers“. Doch den doppeldeutigen Regungen in den Augen der Bauern und der besseren Gesellschaft als Zuschauern geht eine filmisch höchst raffinierte Vereinigung von Maschine, Mann und Frau voraus. Sie geschieht im Bagger, nachdem sich Camilla noch ein letztes Mal in dessen Nähe gewagt hatte.

Olga und Karl reparieren den Bagger, wobei allerdings völlig offen bleibt, was denn zu reparieren gewesen war. Es war offenbar weniger eine handwerkliche als eine steuerungstechnische Reparatur an der Über-Maschine notwendig gewesen. Nachdem der Sprengbagger nunmehr in Betrieb genommen werden kann, muss ein Spiegelsignal gegeben werden, damit keine Menschen in der Sprengzone zu Schaden kommen können. In einem Film, der, wie bereits durchgearbeitet, auf das Engste mit der Funktion von Spiegeln – Scheiben des Baggers als Spiegel der Wolken etc. – operiert, ein finales, die Dramaturgie steigerndes Spiegelsignal einzusetzen, darf, selbst wenn es dokumentarisch ist, kaum zu überbieten sein.

Was passiert mit dem Spiegelsignal? Der Direktor gibt das Zeichen zum Spiegelsignal. Mit einem Hohlspiegel, der das Licht bündelt, werden nach einander mehrere Posten sozusagen aufgeweckt. Einmal vom Spiegelsignal erfasst, beginnen die Streckenposten zur Warnung mit Fahnen zu winken und in Signalhörner zu stoßen. Die Steckenposten müssen nicht wissen, was passieren wird. Sie müssen nur binäre Signale – kein Licht oder Licht, 0 oder 1 - übersetzen. Wer die Streckenposten nicht hören oder sehen kann oder will, der begibt sich in Lebensgefahr.

Camilla begibt sich bewusst hinter das Stacheldraht ins Sperrgebiet. Währenddessen legt Karl Hartmann seine Hand auf den zentralen Schalter. Olga hatte sich zuvor um Karls Aufmerksamkeit bemüht, doch sie finden ihre Vereinigung nur mit und in der Maschine. Olga legt die Hand auf Karls und sie setzen beide zunächst die Schaufeln des Baggers in Bewegung. Die Schaufeln ähneln nicht nur zufällig modernen Kinderwagen. Produktion und Reproduktion werden in der Maschinenwelt eins. Begleitet wird die Tätigkeit der Maschine durch euphorische Kommentare Olgas beim Ablesen der Messuhren. Mehrfach sieht sie auf eine Uhr, die Gewschindigkeit oder Energiezufuhr anzeigt, und sagt überdeutlich „Sehr gut“, als wolle sie Karl zu mehr Leidenschaft ermuntern.

Der Betrieb des Sprengbaggers, von den Zuschauern mit Ferngläsern verfolgt, gestaltet sich als ein Inferno aus Lust und Schrecken. Die Sprengungen entlang des Sperrgebiets zur Abbruchkante für den Bagger wechseln in schneller Schnittfolge mit den Schauffelketten und Kolbenstößen der Maschine. Der Krieg gegen die Landschaft wird als lustvolle Explosionen bei der Produktion regelrecht gefeiert. Schließlich wird Camilla von Einerm vom Sprengbagger 1010 ebenso in die Luft gesprengt.

Der Direktor ist entsetzt. Er eilt zu Hartmann in den Führerstand des Sprengbaggers und teilt ihm das entsetzliche Unglück mit. Doch Hartmann senkt nur kurz den Kopf, um sogleich mit heldischer Miene in die Kamera zu blicken. Der finale Wechsel der Frauen - Olga gegen Camilla - ist wie der Wechsel der Welten zur Maschinenwelt unumstößlich gelungen. Camilla kann nicht wiederkommen. Die frühere Zeit der schönen Landschaft ist vorbei. Wo früher Wiesen und Felder nur wenige ernährten

… erhebt sich jetzt ein gewaltiges Maschinenwerk von eigenartiger Schönheit, hunderttausenden Brot und Arbeit spendend!

Das wirklich erstaunliche an Sprengbagger 1010 ist die Konsequenz und Brutalität, mit der die Logik des Spiegelns eingesetzt wird. Sie weist in mancher Hinsicht auf eine wesentlich spätere Entwicklung des sogenannten Informationszeitalters voraus.

ARTE zeigte den Stummfilm insbesondere wegen der Originalmusik von Walter Gronostay, die als Koproduktion von WDR Rundfunkorchester Köln unter der Leitung von Titus Engel und dem ZDF am 18. März 2011 in der „Zeche Zollverein“ in Essen aufgeführt wurde. Gesendet wurde Sprengbagger 1010 am 30. Mai um 01:10 Uhr. Jetzt wird der Film hoffentlich in vielen Filmtheatern aufgeführt werden. Denn die Vorhaltedauer auf ART +7 ist verfallen.

 

Torsten Flüh

 


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Categories: Film

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